Lieber Frankie (GB 2004)

lieber-frankieDie Briten haben ein Talent: Egal wie bittersüß ein Plot auch ist, sie finden immer einen Weg ihn so umzusetzen, dass das Kitschniveau auf ein Minimum begrenzt wird. Das haben schon Filme wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Brassed Off“ bewiesen. Jetzt kommt ein neuer Film in die kontinentaleuropäischen Kinos, der diese Tradition weiter fortsetzt – „Lieber Frankie“.

Die kleine Familie von Lizzy (Emily Mortimer, „The Kid”), bestehend aus ihrer Mutter Nell (Mary Riggans) und ihrem taubstummen Sohn Frankie (Jack McElhoe, „Young Adam”) zieht ständig von einem Ort in Schottland zum nächsten. Sie verstecken sich vor Frankies Vater, Frankie weiss davon jedoch nichts. Er denkt, sein Vater sei Matrose auf der HMS Accra und schreibt ihm regelmäßig Briefe, die Lizzy beantwortet. Als die HMS Accra vor der neuen Heimat der Familie vor Anker geht, will Frankie seinen Vater kennenlernen. Also macht sich Lizzy auf, einen Mann zu finden, der für einen Tag Frankies Vater spielt. Dabei trifft sie auf einen namenlosen Fremden (Gerard Butler, „Das Phantom der Oper”), der bereit ist, die Rolle zu übernehmen…

Zugegeben, das klingt erstmal recht unspektakulär. Man muss nicht viele Filme in unendlichen Stunden gesehen haben, um erraten zu können, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Nein, große Sprünge in Sachen Originalität des Drehbuchs und der Charakterentwicklung sind die Stärken dieses Filmes nicht. Die liegen woanders. Zunächst ist die Story äußerst Gefühlvoll inszeniert ohne in den leidigen Kitsch abzurutschen. Wie schrecklich hätte dieser Film mit Renée Zellweger als alleinerziehende Mutter und George Clooney als mysteriöser Fremder werden können?! Es ist besser, nicht darüber nachzudenken.

Regisseurin Shona Auerbachs Spielfilmdebüt lebt mehr von der sanften Zeichnung der Figuren, die samt und sonders großartig von den entsprechenden Darstellern verkörpert werden. Das Auerbach, gelernte Fotografin, gleichzeitig die Kamera führte, wirkt sich äußerst positiv auf die ästhetische Gestaltung von „Lieber Franke“ aus. Die Bilder fangen teilweise eine Melancholie ein, die durch das großteilige Verzichten von bunten Farben erreicht wird. Das hauptsächlich in grau gehaltene Bild einer schrecklich deprimierenden Umgebung in den Arbeitergegenden Schottlands versetzt den Zuschauer in die richtige Stimmung, um die stellenweise Verzweiflung der Protagonisten, allen voran Lizzy, nachvollziehen zu können.

„Lieber Frankie“ ist deutlich besser, als es der schreckliche Trailer vermuten lässt. Es handelt sich hier weder um einer romantische Komödie, die auf dem Rücken des Kindes ausgetragen wird, noch um taschentuchstrapazierendes Drama, das jeglicher nachvollziehbarer Grundlage entbehrt. Der Film lebt von sehr gut inszenierten Gefühlen und der Kantigkeit der Protagonisten. Vielleicht ist das die Stärke des britischen Kinos in diesem Genre. Schauspieler wie Gerard Butler sind eben keine besseren Kleiderständer, sondern Schauspieler, die durch ihre Qualitäten auch gegen den Typ besetzt Charaktere glaubhaft vermitteln können. In „Lieber Frankie“ geht das Konzept jedenfalls auf – trotz einiger Mängel in der Konzipierung der Grundlage.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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