Knie nieder und friß Staub (I/E 1971)

knie-nieder-und-friss-staubIn einer Zeit, als der Italo-Western über Klamauk und Prügel-Parodien verlorene Publikumsgunst wettzumachen versuchte, setzte Regisseur Aldo Florio („Die unerbittlichen Fünf“) auf das klassische Schema des namenlosen Fremden. „Knie nieder und friß Staub“ erzählt in deutlicher Anlehnung an Sergio Leone eine Geschichte von Rache und Unterdrückung. Die Vendetta besorgt der Fremde, der mit Roy Greenford später noch einen Namen erhält. Die Hintergründe des überraschend komplexen Plots aber werden über kurze Rückblenden nur stückweise und mit Bedacht aufgedeckt.

Jenen Roy Greenford verkörpert Fabio Testi („Zorros Rache“) als spürbare Hommage an Clint Eastwood, der in Leones „Dollar“-Trilogie stilbildend den wortkargen Kunstschützen mit vagem Sinn für Gerechtigkeit gegeben hatte. Zu Beginn schleppt er sich in Sträflingsmontur durch die karge Wildnis und wird die Fußketten erst los, als er dem alten José (José Calvo, „Blutiges Blei“) über den Weg läuft. Der verdingt sich als Goldgräber und wird mitsamt seiner ärmlichen Schicksalsgenossen vom gierigen Geschäftsmann Redfield (Eduardo Fajardo, „Django“) geschunden.

In einer nahe gelegenen Stadt macht Roy, dem José sein letztes Gold anvertraut, durch seine Schießkünste von sich reden und entsendet tödliche Grüße im Namen eines (zunächst) Unbekannten. Redfield heuert ihn an, schließlich will er einen Mann dieses Kalibers unbedingt auf seiner Seite wissen. Doch verfolgt er, wie fast jede Figur, seine eigenen Pläne. Über Intrigen, Heimtücke und die Gier nach Reichtum lichtet sich das Gefolge des Schurken, in dem der schönen, gegen ihren Willen eingesperrten Jessica (Charo López, „Mark of Zorro“) eine tragende Rolle zufällt.

Die wohl dosierte Action gibt sich erstaunlich ruppig, wobei Florio neben sichtbaren Einschüssen auch nicht vor Missbrauch und Vergewaltigung zurückschreckt. Ungeachtet seiner Härte ist dieser nahezu unbekannte Genre-Beitrag aber vorrangig eine inszenatorisch kraftvolle und dramaturgisch durchdachte Rückschau auf die qualitative Drangphase des Euro-Westerns. Ganz an Leone heran reicht er selbstredend nicht, wenn der starke Score Bruno Nicolais („Caligula“) auch abermals zu Ennio Morricone aufschließt. Derartige Klasse offenbarte das Genre in den Siebzigern nur noch selten. Eine Entdeckung lohnt daher unbedingt.

Wertung: (7 / 10)

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