Mercenario – Der Gefürchtete (I/E 1968)

mercenario-der-gefuerchteteDie politisch aufgewühlten 68er fanden ihre Entsprechung auch im Genrekino. Als Bühne für die Versinnbildlichung des Kampfes gegen Militarismus und Establishment empfahl sich überraschend der Italo-Western, der in einer eigenen Unterkategorie die Revolution für sich entdeckte. Den bekanntesten Beitrag leistete Sergio Leone mit „Todesmelodie“ (1971), doch zum Klassiker reiften auch andere. „Tepepa“ (1968) oder – als Polit-Parabel abseits des revolutionären Kontexts angesiedelt – auch „Von Angesicht zu Angesicht“ (1967).

Zu einigen Ehren hat es zudem Sergio Corbuccis „Mercenario – Der Gefürchtete“ gebracht, dessen ursprünglicher deutscher Titel „Die gefürchteten Zwei“ lautet. Darin lässt Corbucci, der mit „Django“ und „Leichen pflastern seinen Weg“ zwei unumstößliche Klassiker des europäischen Westerns geschaffen hatte, den ikonesken Ur-„Django“ Franco Nero als Polen Kowalski mit wehendem Mantel und langem Pistolenlauf zum Motor einer mexikanischen Revolution aufsteigen. Seine Dienste lässt sich der clevere Söldner jedoch mit harter Währung und einigen Annehmlichkeiten vergüten.

Während eines Auftrags gerät Kowalski an den aufständischen Minenarbeiter Paco (Tony Musante, „Der Pate von Greenwich Village“), der sich Revolutionär schimpft, eigentlich aber nur die eigene Bereicherung im Sinn hat. Mit dem Polen als strategischer Berater avanciert der Tagedieb rasch zum Volkshelden, was zu einem Knebelvertrag führt, der Kowalskis Ausnahmestellung in zynischer Manier untermauert. Besonders deutlich wird das in der Wüste, wenn er auf eine erfrischende Dusche besteht, während Pacos Männer dem Verdursten nahe kommen. Eine Lektion in Sachen Klassenkampf erhalten die Widerständler von der freiwilligen Revoluzzerin Columba (Giovanna Ralli, „Kanonen für Cordoba“).

Als verbissener Gegner entpuppt sich der brutale Glücksritter Jack Palance („Chatos Land“), der als Lockenkopf Ricciolo mit dem despotischen Garcia (gab auch schon in „Django“ den Schurken: Eduardo Fajardo) paktiert. Corbuccis vielleicht dialogreichster Western, dem er mit „Zwei Compagneros“ eine stoffliche Anlehnung (ebenfalls mit Nero und Palance) folgen ließ, durchpflügt mit spitzer Zunge den Nährboden einer Revolution und erläutert das kapitalistische Dreiklassensystem anhand eines nackten Frauenkörpers. Warum kommen Kopf (die herrschende Oberschicht) und Arsch (das ausgebeutete Proletariat) nicht zusammen?

Die auch hinter der Kamera mit wohlklingenden Namen – es produzierte Alberto Grimaldi („Zwei glorreiche Halunken“), den Score verantworteten Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“) und Bruno Nicolai („Lauf um dein Leben“) – gespickte Polit-Farce im staubigen Westerngewand ist derb und sarkastisch, herrlich gespielt und optisch erhaben. Kein Meisterwerk, aber zwischen bissigen Gegenwartsbezügen, aufwändiger Gestaltung und praller Action ein herausragender Vertreter seiner Zunft.

Wertung: (7 / 10)

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