Hasse deinen Nächsten (I 1968)

hasse-deinen-naechstenDie Blässe manch eines Helden zeigt sich in der Größe seiner Gegenspieler. „Hasse deinen Nächsten“, in biblischer Verkehrung verstandene Einladung zum Meucheln, ist dafür ein treffliches Beispiel. Clyde Garner, der eigentlich Spiros Focás („Nur der Letzte kam durch“) heißt, gibt mit Ken Dakota eine beschämend schale Figur eigenwillig ausgelegter Rechtschaffenheit ab. Konstant untermauert wird dieser Eindruck von Horst Frank („Winnetou II“) und Luigi Montefiori („Django und die Bande der Gehenkten“), besser bekannt unter dem Pseudonym George Eastman, die als durchtriebene Schurken weit aus dem Mittelmaß der übrigen Besetzung herausstechen.

Frank ist Chris Malone, ein skrupelloser Bankier, der sich die freie Zeit damit vertreibt, mexikanische Sklaven beim tödlichen Zweikampf mit stählernen Klauen zu betrachten. In seinem Auftrag handelt der gewissenlose Bandit Gary Stevens (Eastman). Gleich zu Beginn entreißt er einem Flüchtigen den Plan zu einer wertvollen Mine und tötet ihn. Das ruft Ken Dakota auf den Plan, schließlich ist er der Bruder des Ermordeten. Zusammen mit dem geschwätzigen Totengräber Duke (Robert Rice alias Roberto Risso, „Der Gladiator von Rom“) macht er sich auf, den Banditen das Handwerk zu legen.

Einen klassischen Rachewestern hat Ferdinando Baldi („Seine Kugeln pfeifen das Todeslied“) mit diesem weitgehend überraschungsfreien Standardwerk nicht vorgelegt. Das liegt daran, dass der Reichtum verheißende Lageplan zwischenzeitlich auch das Interesse von Dakota zu wecken scheint. Da sich Malone und Stevens, die jeweils eine Hälfte der Karte besitzen, ohnehin fortwährend hintergehen, fällt eine dritte Interessenspartei kaum mehr ins Gewicht. Dabei beweist Baldi makabren Einfallsreichtum, wenn er den mächtigen Malone zum Martermeister krönt. Um Stevens Teil des Plans in seinen Besitz zu bringen, lässt er ihn bei sengender Hitze kopfüber über einer Schlangengrube aufknüpfen, während sich zwei Ratten am mit Honig beschmierten Befestigungsstrick delektieren.

Abseits solch stimmungsvoller Spitzen, begünstigt durch Robby Poitevins („Django spricht das Nachtgebet“) gelungene Kompositionen, beherrscht Mittelmaß das muntere Treiben. Die Action ist banal, der Film bei angemessenem Unterhaltungswert relativer Unsinn. Auf Logik wird kaum Rücksicht genommen, was sich besonders bei der Befreiung Stevens vom Galgen zeigt. An den will ihn Dakota bringen, der das Gesetz erst in die eigenen Hände nimmt, als sich das eigene Pistolenschwingen als wirksameres Mittel gegen das Verbrechergesindel erweist. Vereinzelt reizvolle Passagen und manch grobe Härte können die Mängel nicht aufwiegen. Der Streifen bleibt Zeitverschwendung, ist für Genrefreunde aber allein aufgrund der starken Bösewichter einen Blick wert.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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