James Bond 007: Sag niemals nie (GB/USA 1983)

jamesbondneversaynever„Things’ve been awfully dull ‚round here. I hope we’re going to see some gratuitous sex and violence in this one!“ – Ungewohnt offenherzig: Q (Alex McCowen)

Plötzlich, im Kinojahr 1983, buhlten zwei Filme mit demselben Helden um die Gunst des Publikums. Und weil der den Namen James Bond trägt, war erhöhtes Interesse Programm. Die Rechte an der Figur des berühmten Doppelnullagenten lagen eigentlich bei Albert R. Broccoli, der mit seiner Produktionsfirma Eon Pictures seit 1962 sämtliche Abenteuer des berühmten MI6-Spions auf die Leinwand gebracht hatte. Diese basierten stets auf Romanen Ian Flemings, deren Rechte ebenfalls bei Broccoli lagen. Mit einer Ausnahme: „Feuerball“, der mit Sean Connery bereits 1965 verfilmt wurde. Dessen Rechte hatte in Teilen Produzent Kevin McClory („In 80 Tagen um die Welt“) inne, der sich seit den mittleren Siebzigern um ein Remake des Stoffes mühte.

Broccoli drohte mit rechtlichen Schritten, am Ende setzte sich McClory aber durch. Der Clou bei der „Sag niemals nie“ betitelten Neuverfilmung war die Verpflichtung von Ur-Bond Connery, der die Rolle 12 Jahre nicht mehr gespielt hatte. Für die späte Rückkehr, übrigens in Konkurrenz zu Roger Moores kommerziell ertragreicherem Auftritt in „Octopussy“, wurde ihm ein Toupet verpasst. Das fortschreitende Alter sollte dem Film aber nicht im Wege stehen. Schließlich reizte auch Moore die Rolle bis zur (nahen) Verrentung aus. Der Auftakt zeigt Bond bei einer simulierten Befreiungsaktion, während der er unfreiwillig komisch Handkanten verteilen darf und die Action trotz der Regie Irvin Kershners („Das Imperium schlägt zurück“) selbst für das Produktionsjahr dezent rückwärtsgewandt wirkt.

Aufgrund seines lasterhaften Lebensstils wird 007 vom Vorgesetzten M (Edward Fox, „Der Schakal“) in ein Sanatorium geschickt. Doch dort lässt es sich der passionierte Schürzenjäger gewohnt gut gehen, wozu willige Pflegerinnen und eingeschmuggelte Delikatessen ihr Übriges tun. Vor allem die Einleitungsphase gerät angenehm überspitzt und selbstironisch. Aber bald schleicht sich allzu deutlich Routine ein. Denn die von Ernst Stavro Blofeld (Max von Sydow, „Der Exorzist“) angeführte Verbrecherorganisation SPECTRE hat es sich zum Ziel gesetzt, durch die Bedrohung der Welt mit atomaren Sprengköpfen horrende Geldbeträge von der internationalen Staatengemeinschaft zu erpressen.

Maximilian Largo (farblos: Klaus Maria Brandauer, „Jenseits von Afrika“) und Komplizin Fatima Blush (Barbara Carrera, „Condorman“) werden mit der Durchführung betraut, erregen jedoch Bonds Argwohn. Was folgt ist das routinierte Abklappern exotischer Schauplätze (hier allen voran vertreten durch die Bahamas) und bemüht aufwändiger Actionszenarien (inklusive einem buchstäblich elektrisierenden Computerspiel-Duell zwischen Bond und Largo). Statt schwer armierter Nobelkarosse fährt 007 diesmal Motorrad, wobei Raketenwerfer und andere hilfreiche Einbauten nicht fehlen dürfen. Als Bond-Girl empfiehlt sich das spätere Sexsymbol Kim Basinger („9½ Wochen“), deren naive Domino ausgerechnet mit Largo liiert ist.

Bis zum mageren Showdown in einer antiken Grotte, in der eine der gesuchten Atombomben gezündet werden soll, gibt es reichlich Gelegenheit, Sean Connery von jüngeren Stuntmen doubeln zu lassen. Obendrauf setzt es einen kalkuliert schrulligen Auftritt von „Mr. Bean“ Rowan Atkinson als britischer Botschaftsangestellter in Nassau und Bonds US-Kollege Felix Leiter darf als Vorgriff auf den Daniel Craig-Einstieg „Casino Royale“ vom Afroamerikaner Bernie Casey („Cleopatra Jones“) verkörpert werden. Aber zu einer durchweg überzeugenden Einheit wächst das alles nicht zusammen. Für Fans mag der Vergleich zwischen „Feuerball“ und „Sag niemals nie“ lohnen. Stand halten kann das Remake dem Original trotz angestammter Kurzweil aber zu keiner Zeit.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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