James Bond 007: Man lebt nur zweimal (GB 1967)

jamesbondlivetwice„The things I do for England…“ – Sammelt wieder Bettgespielinnen fürs Vaterland: James Bond

Nach vier James Bond-Abenteuern verlor Sean Connery allmählich die Lust. Der Schauspieler wollte sich nicht auf das Image des draufgängerischen Agenten festnageln lassen. Dass er nach George Lazenbys verschwindend kurzem Bond-Intermezzo „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ 1971 aber doch noch einmal in die Rolle seines internationalen Durchbruchs schlüpfte, konnte die erfolgreiche Loslösung nebst Etablierung im Charakterfach nicht aufhalten. Selbst dem Oscar für seine Darbietung in „The Untouchables“ (1987) stand nicht im Wege, dass Connery 1983 im inoffiziellen „Feuerball“-Remake „Sag niemals nie“ noch einmal als Meisterspion 007 auftrat.

Der fünfte und ursprünglich letzte Auftritt Connerys sollte „Man lebt nur zweimal“ sein. Wenn man denn unbedingt danach suchen will, so finden sich im Spiel des Schotten sicher Anzeichen unterschwelliger Lustlosigkeit. Ihm diese unterstellen zu wollen, ginge jedoch schlicht zu weit. Insgesamt aber kann Lewis Gilberts Agenten-Thriller den Eindruck aufgezogener Routine nicht vollends entkräften. Zweifelsfrei ist die Adaption des elften Ian Fleming-Romans noch immer ein großes Spektakel und vereint mit exotischen Schauplätzen, schönen Frauen und wüsten Verfolgungsjagden all das, was die Vorgänger auszeichnet(e). Trotzdem schien ein Teil der überlebensgroßen Frische abhanden gekommen zu sein.

Daran nicht ganz unschuldig ist auch Drehbuchschreiber Roald Dahl (Autor von „Charlie und die Schokoladenfabrik“), dem bei der neuerlichen Konfrontation zwischen Bond und der nach Weltherrschaft gierenden Verbrecherorganisation SPECTRE nichts zwingend Neues einfiel. Eine große Stärke der Serie war immer die ironisierte Darstellung der Schurken. Diesmal kommt nicht nur die, sondern die Vorstellung der Gegenseite insgesamt etwas zu kurz. Ganz zu schweigen davon, dass Karin Dor („Der Schatz im Silbersee“) als Killerweib Helga Brandt viel zu früh aus der Handlung getilgt wird. Auslöser der actionreichen Verstrickungen ist diesmal die aus nostalgischer Perspektive putzig getrickste Entführung eines amerikanischen und eines russischen Raumschiffs durch SPECTRE.

Die gegenseitigen Beschuldigungen der Supermächte lassen nicht lange auf sich warten und drohen einen dritten Weltkrieg auszulösen, der es dem Syndikat erlauben würde, die Macht an sich zu reißen. Anführer Ernst Stavro Blofeld, der in „Liebesgrüße aus Moskau“ und „Feuerball“ lediglich im Katze streichelnden Ausschnitt zu sehen war, bekam erstmals ein Gesicht. Doch leider geriet die Entzauberung des Drahtziehers in Person von Donald Pleasance („THX 1138“) zur mittleren Enttäuschung, weil sich der siegessichere Blofeld schlussendlich zu leicht von Bond übertölpeln lässt. Dafür ist seine hochtechnisierte Basisstation in einem erloschenen japanischen Inselvulkan samt Piranha-Bassin ein echter Hingucker.

Während sich Amerikaner und Russen also auf politischer Ebene beharken, nimmt Bond in Tokio die Ermittlungen auf. Sein fingierter Tod verschafft ihm den erforderlichen Freiraum, um über Chemiekonzernchef Osato (Teru Shimada) auf die Spur der entführten Shuttles zu gelangen. Japans Geheimdienstleiter Tanaka (Tetsuro Tamba, „Der Untergang Japans“) und die schöne Aki (Akiko Wakabayashi, „Die Rückkehr des King Kong“) unterstützen den britischen Agenten und verordnen ihm in Vorbereitung auf die verlustreiche Erstürmung der Vulkanfeste gar einen Ninja-Trainingskurs! Aber bei aller Kurzweil bleibt „Man lebt nur zweimal“ hinter Connerys vorangegangenen Auftritt zurück. Daran ändern auch der tolle, von Nancy Sinatra gesungene Titelsong und der Mini-Flieger „Little Nelly“ wenig.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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