James Bond 007: Goldfinger (GB 1964)

jamesbondgoldfingerPussy: „My name is Pussy Galore.“
Bond: „I must be dreaming.“

In gleich mehrfacher Hinsicht ist das dritte James Bond-Abenteuer „Goldfinger“ der Prototyp für die spätere Ausrichtung der Serie. Waren „Dr. No“ und „Liebesgrüße aus Moskau“ noch verhältnismäßig zurückhaltend und mehr Agenten-Thriller als -Spektakel, schöpfte der Terence Young auf dem Regiestuhl ablösende Guy Hamilton (der auch Connerys letzten offiziellen sowie Roger Moores erste beiden Einsätze koordinierte) mit der bis dahin aufwändigsten Verfilmung eines Romans von Bond-Erfinder Ian Fleming erstmals aus dem stilprägend übertriebenen Vollen. Und das nicht allein bei der Ausgestaltung der herrlich übertriebenen Schurkenfiguren.

Da wäre der größenwahnsinnige Superverbrecher Auric Goldfinger (musste im Original synchronisiert werden, weil er sich partout weigerte Englisch zu lernen: Gert Fröbe, „Es geschah am hellichten Tag“), der mit einfallsreich hirnrissigem Plan sein privates Vermögen vervielfachen will. Sein stummer koreanischer Diener Oddjob (Harold Sakata, „Der Einzelkämpfer“) trägt einen Hut mit tödlicher Klinge in der Krempe und die schöne Komplizin, gespielt von Honor Blackman („Mit Schirm, Charme und Melone“), hört auf den wohlklingenden Namen Pussy Galore. Näher an der Selbstparodie könnte der Film kaum sein – da kann sich auch Hauptdarsteller Sean Connery das schelmische Grinsen nur schwer verkneifen.

Nachdem er gleich zum Auftakt für reichlich Feuerzauber gesorgt hat (die Einleitung aus Schurkenperspektive hatte damit ihr frühzeitiges Ende gefunden) und einen hinterhältigen Angreifer als Spiegelung in den glänzenden Augen einer Gespielin ausmachen konnte (!), wird Bond beauftragt, Goldfinger auf die Füße zu steigen, der in großem Stile Gold schmuggeln soll. In Miami kommt es zur ersten Konfrontation, die für Goldfingers Vorzeigeliebchen, die natürlich gleich Bonds Reizen erliegt, tödlich endet. 007 findet sie tot auf, ihr ganzer Körper mit Goldfarbe überzogen. Überzogen ist da auch das treffende Wort für den gesamten Film.

Der, mit einem Oscar für die besten Toneffekte ausgezeichnet, ist übrigens der erste der Reihe, der im Vorspann einen – unverzüglich die Charts stürmenden – Titelsong erhält. Shirley Bassey verleiht dem simplen Text über den hinterlistigen Goldfinger durch ihre Stimme unvergessenes Gewicht. Solches bringt auch Gert Fröbe mit, der erste Deutsche Bond-Bösewicht, der mit seinem herrlich eigenwilligen Spiel maßgeblich zum immensen Unterhaltungswert des deutlich actionbetonteren Spektakels beiträgt. Nicht weniger als den Angriff auf die US-Goldreserven in Fort Knox hat der Übeltäter im Sinn und will diese zur Maximierung des eigenen Einflusses mit einer Atombombe auf Jahrzehnte verstrahlen.

Die üblichen Verdächtigen im Dunstkreis Bonds, Geheimdienstchef M (Bernard Lee), dessen Sekretärin Moneypenny (Lois Maxwell) sowie Waffenkonstrukteur Q (Desmond Llewelyn), bleiben wieder amüsantes Beiwerk einer bombig unterhaltenden Thriller-Sause. Pralle Action, tolle Schurken, Bonds lässige Sprüche in allen Lebenslagen und die konsequente Loslösung des Stoffes von jeglicher realistischen Bodenhaftung machen „Goldfinger“ zu einem der, wenn nicht gar dem besten Teil der 007-Saga überhaupt. Ein riesiges Vergnügen für Fans und gestandene Kindsköpfe.

Wertung: (8 / 10)

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