James Bond 007: Casino Royale (GB/USA/D/CZ 2006)

jamesbondcasinoroyaleUnd wieder einmal prangen die Worte „Bond is Back“ von den Werbetafeln. Wer hätte ahnen können, dass es diesmal wirklich stimmt. Bond – das ist virales Empfinden. Er appelliert an den Chauvi in uns allen, an das, was immer noch Held sein will. Zumindest war es früher so, als Sean Connery sich noch in den Smoking klemmte und mit markigen Sprüchen gefährliche Potentaten überall von ihren Podesten und exotische Frauen in die Kissen stieß. Lang war die Durststrecke mit Roger Moore, der den Charakter zu einem zweideutigen Charmeur mit Knarre machte oder Timothy Dalton, der Bond endgültig zum Abziehbild verkommen lies. Da konnte auch der Schönling Pierce Brosnan nichts mehr retten – von George Lazenby fangen wir besser gar nicht an. Jetzt hat Daniel Craig die Walter PPK übernommen – und zum ersten Mal seit 1971 kann man wirklich sagen, dass Bond zurück ist.

Es bedarf zweier Tötungen um in den Doppelnullstatus beim britischen Geheimdienst MI6 erhoben zu werden. Es ist noch nicht lange her, dass James Bond (Daniel Craig, „Enduring Love“) diese Hürde genommen hat. Seine Vorgesetzte M (Judi Dench, „Shakespeare in Love“) traut dem Hitzkopf noch nicht über den Weg. Zu wenig beherrscht agiert er bei seinen Einsätzen. Dies beweist er einmal mehr, als er bei der Verfolgung eines Waffenschiebers eine Botschaft in Schutt und Asche legt. Dennoch zählt sie auf Bond. Der ist nämlich nicht nur eine effektive Ein-Mann-Armee, sondern auch der beste Pokerspieler, den der Geheimdienst zu bieten hat. Er soll den Terroristenbankier Le Chiffre in einem Pokerspiel schlagen, damit dieser in den Armen der Ermittler Schutz vor seinen Kunden suchen muss und seine Hintermänner verrät. Sollte Bond jedoch verlieren, so hätte die britische Regierung den Terrorismus direkt finanziert…

Kein Q, keine Miss Moneypenny und ob Wodka-Martini geschüttelt oder gerührt wird, ist diesem Bond scheißegal. Bond-Puristen mag das befremdlich vorkommen, vielleicht sogar als ein gewisses Sakrileg. Doch wenn man an die letzten Bond-Filme zurückdenkt, mag man sich die Frage stellen, ob unsichtbare Autos und Denise Richards als Atomphysikerin nicht eigentlich noch befremdlicher sein sollten. Bei „Casino Royale“ besinnen sich die Macher endlich wieder auf die Werte, die Filme wie „Liebesgrüße aus Moskau“ so groß gemacht haben: die Härte und Gefährlichkeit, die sein Hauptdarsteller ausgestrahlt hat. Ein Kritiker schrieb über Daniel Craig, dass er der erste Bond seit Connery sei, der auch den Bösen spielen könnte. Das ist sehr richtig.

Doch auch sonst handelt es sich bei „Casino Royale“ um einen Actionfilm erster Güte. Verfolgungsjagden, Explosionen, Schießereien – all das wird auf höchstem Niveau durchexerziert – ohne dabei in das Überladene der Bruckheimer’schen Inszenierung zu verfallen. Hier wird, was in der Bond-Serie auch schon lange nicht mehr war, bodenständig inszeniert – und dadurch um so eindrucksvoller. „Casino Royale“ ist der beste Bond seit Jahrzehnten. Daniel Craig, im Vorfeld von vielen als Fehlbesetzung gehandelt, haucht der Rolle einen neuen, härteren Charme ein, als es seine Vorgänger seit Connery gekonnt hätten. Bleibt zu hoffen, dass die Macher diesen neuen Schwung in der Serie in die nächsten Teile mitnehmen können. Es wäre zu bedauerlich, müsste man sich wieder mit lächerlichem Spielzeug und reinen Tittenwundern statt mit ordentlicher Handlung und charakterlichem Tiefgang (auch bei Frauen!) zufrieden geben.

Wertung: (8 / 10)

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