Ip Man (HK 2008)

ip-manEr gilt als Großmeister des Wing Chun und unterrichtete den unvergessenen Bruce Lee. In China ist Martial-Arts-Lehrer Ip Man – auch Yip Man oder Jip Man – Legende. Im frühen 20. Jahrhundert erlernte er die wenig populäre Kampfkunst und lehrte sie erst in der Heimat Foshan und schließlich auch in Hongkong. Eine besondere Rolle soll er während des zweiten Krieges zwischen China und Japan gespielt haben. Auf diese konzentriert sich Wilson Yips („Kill Zone – SPL“) filmisches Denkmal des bescheidenen Nationalhelden und figuriert ihn als ewigen Gutmenschen, dessen Fäuste unmittelbar ins schuldbeladene Gewissen der japanischen Aggressoren schlagen.

Mitte der Neunzehndreißiger ist die Südregion um Foshan ein Kampfkunst-Mekka. Diverse Schulen buhlen um den Ruf des Außergewöhnlichen. Ihre Meister aber können nicht mit Ip Man (gewohnt agil: Donnie Yen, „Die sieben Schwerter“) konkurrieren, der mit Frau und Kind ein Leben in Achtung und Wohlstand führt. Eine eigene Schule will er nicht, doch springt er nach verhaltenem Zögern in die Bresche, als es gilt die Ehre Foshans gegen den schier unbesiegbaren Nordmeister Zhao (Fan Siu Wong, „Story of Ricky“) zu verteidigen. Mit dem Einfall des Kaiserreichs 1937 wendet sich das Blatt. Seines Hab und Gut beraubt, gerät auch Ip Man in die Armut und ist gezwungen, die Familie mit Arbeit im Kohleabbau über Wasser zu halten.

Für karge Reisportionen heuert der japanische General Miura (Hiroyuki Ikeuchi) Freiwillige als Sparringspartner für sich und seine Truppen an. Als ein Freund Ip Mans getötet wird, meldet auch er sich zu einem Wettkampf und besiegt gleich 10 Gegner mit eisernem Willen und brutaler Gewalt. Fortan versucht Miura den Ausnahmekämpfer für die Schulung seiner Soldaten zu gewinnen. Doch der lehnt erbost ab und unterstützt lieber seinen Gefährten Quan (unterfordert: Simon Yam, „Vengeance“), der als Eigner einer Baumwollspinnerei vom marodierenden Zhao schikaniert wird. Ein Duell mit dem hartnäckigen Miura aber scheint unumgänglich.

Wilson Yip schuf ein in seinen Kampfszenen beeindruckendes Action-Drama, das die politisch aufgeheizte Heldenverehrung aber in einem Übermaß an Pathos ersäuft. Über alle Zweifel erhaben sind die von Sammo Hung („14 Blades“) inszenierten Martial Arts-Duelle, die mit Drahtseil und dem nötigen Mix aus ästhetisierter Eleganz und Härte zum Staunen anregen. Die emotionale Komponente hingegen wirkt in verklärender Hollywood-Manier geradezu aufgesetzt kitschig, der kompromisslos aufrechte Ip Man zum unkorrumpierbar fehlerlosen Heiligen hochstilisiert. Die Darstellung der Japaner ist, in Deutschland kennt man das, auf Gräuel und Ehrlosigkeit reduziert. Trotz dieser vehementen Schwarz-/Weiß-Malerei ein sehenswerter Auszug eines bewegten Lebens.

Wertung: (7 / 10)

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