Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (USA/GB 1979)

alienscott„In space, no one can hear you scream.“ – Die berühmte Tagline

Was war zuerst da, das Alien oder das Ei? Aus filmhistorischer Sicht ist die Frage leicht zu beantworten, wird „ Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ in Ridley Scotts wegweisendem Klassiker „Alien“ doch aus einem pockigen Riesenei gepellt. Das heißt, eigentlich ist es eine spinnenartige Kreatur mit Würgeschwanz und ausfahrbarem Rüssel. Diese legt, nachdem sie sich um den Hals eines Opfers geschlungen hat, ein Embyro in dessen Brustkorb ab und stirbt nach einiger Zeit. Der Nachwuchs aber gedeiht im Wirtskörper, bis ihn der Drang nach Freiheit aus den Rippen herausplatzen lässt. Der Rest ist Kinogeschichte der brillant bebilderten Art.

Komplett neu war die Geschichte anno 1979 allerdings nicht. Dem ´58er-B-Grusler „It! The Terror From Beyond Space“ darf ruhigen Gewissens eine Patenschaft am Drehbuch von Dan O’ Bannon und Ronald Shusett („Total Recall“) attestiert werden. Und doch gilt das zweite Breitwandwerk des britischen Werbefilmers Ridley Scott („Blade Runner“) als einer der einflussreichsten Horrorfilme aller Zeiten. Das liegt weniger an einer stramm ihr Schockpotential durchexerzierenden Inszenierung, als vielmehr einem schleichenden und suggestiven Grauen, das sich gerade in der Herleitung des unbekannten Schreckens viel Zeit für die Einführung der Charaktere nimmt.

Als Kollektiv bilden die sieben Protagonisten – mit dabei sind Harry Dean Stanton („Die Klapperschlange“) und Yaphet Kotto (Bond-Schurke in „Leben und Sterben lassen“) – die Besatzung des Raumfrachters Nostromo. Im Hyperschlaf gleiten sie durch die Tiefen des Weltalls und werden unvermittelt aus ihrer künstlichen Ruhe gerissen, als der Bordcomputer (Mutter) ein vermeintliches Notrufsignal empfängt. Befehlshaber Dallas (Tom Skerritt, „M*A*S*H“) ordnet an, dem sich wiederholenden Funkspruch in fremder Sprache nachzugehen. Eine Rettungsmission macht sich zum unwirtlichen Mond LV-426. auf und entdeckt dort ein gewaltiges Raumschiff unbekannter Herkunft.

Im Innern stößt Kane (John Hurt, „Der Elephantenmensch“) auf eine Fülle jener einleitend beschriebenen Eier und wird – entgegen der Anordnung von Sicherheitsoffizierin Ellen Ripley (der Durchbruch für Sigourney Weaver, „Gorillas im Nebel“) – mit einem sogenannten Facehugger im Gesicht an Bord der Nostromo gebracht. Operativ entfernen lässt sich der Parasit, dem statt Blut ätzende Säure durch den Körper fließt, nicht. Als er abstirbt und Kane gesundet, scheint Normalität einzukehren. Bis ihm beim gemeinsamen Essen eine echsenartige Kreatur aus der Brust stößt und einen der berühmtesten Schocks der Filmgeschichte ins Gedächtnis brennt.

Die Konzeption des sich wie eine Schlange häutenden und rasch wachsenden Aliens übernahm der Schweizer Künstler H.R. Giger, der auch am stilbildenden Setdesign beteiligt war und für die Spezialeffekte einen Oscar erhielt. Dem nachtschwarzen Monstrum ist die Besatzung, die entgegen infantiler Science-Fiction-Klassiker wie „Star Trek“ oder „Star Wars“ keine Helden, sondern bloß desillusionierte Techniker bietet, beinahe hilflos ausgeliefert. Bis Sigourney Weaver die Gleichstellung der Geschlechter auch auf der Leinwand einfordert und im Kampf gegen die Bestie – und Wissenschaftsoffizier Ash (Ian Holm, „Brazil“) – zum Prototyp für starke Frauen im Actionfach reift.

Wegweisend gestaltet und gemessen am Kontext mit ungewohnt glaubhaften Figuren bestückt, erfand Ridley Scott das Science-Fiction-Kino und vor allem die Bedrohung durch eine außerirdische Spezies neu. Die Folge waren drei (weitgehend gelungene) Fortsetzungen und unzählige Ableger. Über deren Qualität sollte angesichts der Bedeutung dieses ungebrochen hervorragenden Originals aber besser kein Wort verloren werden.

Wertung: (10 / 10)

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