All Time Low – Last Young Renegade (2017, Fueled By Ramen)

Man kann sicherlich ausgiebig darüber diskutieren, wo Punk aufhört und Pop anfängt. ALL TIME LOW war schon immer eine Band, die mit diesen beiden Begriffen eher freizügig umgegangen ist. Als eine von vielen jungen Pop-Punk-Bands machten sie ab den mittleren 2000-ern zumindest karrieretechnisch nicht so viel falsch. Mit ihrem nunmehr siebten Studioalbum „Last Young Renegade“ rückt die Band aus Baltimore die eingangs erwähnte Diskussion deutlich in Richtung Pop.

Zumindest in ihren ersten Jahren hatten ALL TIME LOW einige nette Songs zu bieten. Diese buhlten vielleicht nicht um Innovationspreise oder hoben den Pop-Punk irgendwie auf eine neue Stufe. Es ging aber stets belangloser. Eingefleischten Fans der Band mag das blasphemisch erscheinen, aber „Last Young Renegade“ ist – ganz nüchtern betrachtet – schlichtweg ein sehr verzichtbares Album geworden. Mit dem Titeltrack als Opener bekommt man nach zögerlichem Start noch irgendwie die Kurve. Der poppige Grundton ist nicht neu, sollte sich aber im Folgenden – wenn möglich – etwas relativieren. Doch das Gegenteil ist der Fall. Stattdessen lassen ALL TIME LOW immer schwülstiger werdende Songs vom Stapel. Synthie-Pop scheint ihr neues Faible zu sein, anders sind „Dirty Laundry“ und „Life Of The Party“ kaum zu erklären. „Good Times“ wirkt wie eine Mischung aus JIMMY EAT WORLD und THE ALL AMERICAN REJECTS, nur in schlecht. Die Krone der Belanglosigkeit geht jedoch an „Nice2KnoU“. Die Schreibweise des Titels passt dann auch zum klebrigen Zuckerwatte-Pop, den ALL TIME LOW hier zum Besten geben.

Mit Punk hat das endgültig nichts mehr zu tun. Alles andere ist verzichtbar und austauschbar. Anbiedernd an die (weibliche) Gefolgschaft und dabei nicht einmal im Ansatz gut. Doch wahrscheinlich kann selbst darüber diskutiert werden.

Wertung: (3 / 10)

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