Hautnah – Closer (USA 2004)

hautnah-closerDer mit zwei Golden Globes (Natalie Portman, Clive Owen) ausgezeichnete Film „Hautnah – Closer“ basiert auf dem Theaterstück von Patrick Marbers, das Ende der 90er in London aufgeführt wurde. So spielt die Geschichte der Leinwandadaption ebenfalls in der britischen Hauptstadt, in der nicht mehr als vier Personen das Geschehen bestimmen. Die junge US-Amerikanerin Alice (Natalie Portman, „Leon – Der Profi”) ist gerade in London angekommen, nachdem sie wegen ihrer kürzlich beendeten Freundschaft Abstand brauchte. Auf offener Straße sieht sie den erfolglosen Buchautor Dan (Jude Law, „Unterwegs nach Cold Mountain”), der bei einer Zeitschrift für die Nachrufe verstorbener Personen zuständig ist. Im gleichen Atemzug wird Alice von einem Auto angefahren, ist jedoch nur leicht verletzt. Dan bringt die junge Frau ins Krankenhaus, die folgenden Monate werden sie ein Liebespaar und sie zieht bei ihm ein.

Dieses, als auch einiges andere im Film erfährt man als Zuschauer jedoch erst später. Denn Regisseur Mike Nichols („Die Reifeprüfung”) überrascht mehrfach mit derlei Schnitten, in denen auch schon einmal gut und gerne einige Monate vergehen können. Nachdem Dan und Alice bereits einige Zeit zusammen sind und Dan ein Buch geschrieben hat, zu dem Alice ihn inspiriert hat, lernt er die Fotografin Anna (Julia Roberts, „Erin Brockovich”) kennen, die für ihn Promo-Fotos schießen soll. Auch Anna hegt Gefühle für den Schreiberling, weicht wegen Alice aber zurück. Wieder einige Zeit später tritt der Arzt Larry (Clive Owen, „King Arthur”) ins Bild und lernt durch einen dummen Zufall, mit unfreiwilliger Hilfe Dans, Anna kennen und auch lieben. Die beiden heiraten, doch Anna hat gleichzeitig eine Affäre mit Dan. Beide gestehen ihren Partnern ihre wahren Gefühle, doch die eigentlichen Probleme beginnen dadurch erst richtig.

Mit einer handelsüblichen Liebesgeschichte hat man es in „Hautnah“ nicht zu tun. Denn zum einen folgt die Erzählung, die ständig von längeren zeitlichen Schnitten durchbrochen wird, nicht den Gesetzen einer Aschenputtel-Variante und auch die Ehrlichkeit, Schonungslosigkeit und auch Hemmungslosigkeit, mit der die Protagonisten sich hier gegenübertreten, weicht deutlich von einer solchen ab. Man merkt hier schon, das die Geschichte auf einem Theaterstück basiert, denn auch im Film scheint der Vorhang stets zu fallen und ein anderes Bühnenbild wird errichtet, in dem die Darsteller weiter an ihrer Liebe feilen, sich dabei aber immer wieder im Weg stehen bzw. nicht loslassen können. So einfach dies klingt und auch minimalistisch umgesetzt wurde, so überzeugend und real wirkt letztlich das Gesehene. Im Mittelpunkt stehen zu jederzeit die vier Charaktere und das was sie sagen, nicht mehr und nicht weniger.

„Hautnah“ kommt dabei wirklich nur mit seinen Hauptdarstellern aus, weitere Charaktere existieren nicht und werden auch gar nicht weiter eingeführt. Das magische Quartett besticht durch trockene, aber immer auf den Punkt gebrachte Dialoge und durchweg überzeugende Darstellungen. Jude Law spielt eher den ruhigeren Part, hingerissen zu Julia Roberts, doch kann er auch nicht ganz von Natalie Portman ablassen. Diese wiederum spielt von niedlich bis abgezockt so überzeugend, dass die Academy sie für den Oscar nominierte. Julia Roberts agiert auch eher ruhiger und bemüht gewissenhaft, doch der heimliche Star ist sicherlich der ebenfalls Oscar-nominierte Clive Owen, der den Dermatologen Larry mit zynischen, verletzenden Worten und einer gewissen Arroganz gibt. Ganz fremd ist der Stoff für ihn allerdings auch nicht, denn 1997 spielte er in genau diesem Stück am Londoner Theater.

Nichols Film ist manchmal liebenswert, manchmal schön, doch überwiegt in diesem Beziehungsgeflecht eindeutig ein heftigerer Umgangston als auch ein Verhalten, das alles andere als Sockel für die Liebe herhalten kann. Dies wird dem jeweils anderen auch schonungslos offenbart, was zwar schmerzhaft und auch häufig egoistisch ist, dafür aber auch um so ehrlicher. Und genau das ist der Film. Ehrlich.

Wertung: (8 / 10)

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