Der Krieg des Charlie Wilson (USA 2007)

der-krieg-des-charlie-wilsonDie US-Regierung dürfte mittlerweile auch die treuesten Wählerköpfe verstimmt haben. Ein politischer Klimawandel zeichnet sich ab, dessen Auswirkungen auch in Hollywood spürbar werden. Dort hat man den Mut zur Systemkritik in der letzten Phase von George W. Bushs zweiter Amtsperiode wiederentdeckt. Wenn auch mit eher bescheidenem Erfolg, wie Robert Redfords ambitioniertes Werk „Von Löwen und Lämmern“ belegt. Neuerliche, wenn auch mehr allgemeine als punktierte Seitenhiebe verteilt dabei Mike Nichols („Primary Colors“), der sich mit der Satire „Der Krieg des Charlie Wilson“ auf die unfassbar wahre Geschichte eines texanischen Kongressabgeordneten beruft.

Der nämlich läutet 1980 das Ende der sowjetischen Vormachtstellung und damit verbunden den finalen Akt des Kalten Krieges ein. Zu dieser Zeit überziehen die Russen Afghanistan mit Krieg. Die sich dem Feind stellenden Mudschaheddin werden von der US-Regierung unterstützt – mit marodem Kriegsgerät und einem geradezu lächerlichen Etat von fünf Millionen Dollar. Schließlich muss amerikanisches Eingreifen unbedingt verdeckt bleiben. Ausgerechnet Lebemann Charlie Wilson, der als aufrechter Texaner Cowboystiefel zu Anzug und Krawatte trägt, der in seinem Büro ausschließlich vollbusige Schönheiten als Sekretärinnen einstellt, will diesen Zustand ändern.

Gespielt wird jene Fußnote der Geschichte, auf deren Biographie das Skript von „West Wing“-Schöpfer Aaron Sorkin basiert, vom zweifachen Oscarpreisträger Tom Hanks („Forrest Gump“), der sich zwischen den ebenfalls geadelten Kollegen Julia Roberts („Erin Brockovich“) und Philip Seymour Hoffman („Capote“) – ganz zu Schweigen von Regisseur Nichols selbst – sichtlich wohl fühlt. Mit Charme und unbekümmertem Tatendrang begibt sich der trinkfreudige Filou Charlie ans Werk. Sein Wahlkreis verlangt ihm ohnehin keine Mühen ab. Sofern dieser nämlich sein Recht auf Waffenbesitz und Ruhe behält, ist Charlie die Wiederwahl gewiss.

Mit Hilfe der gottesfürchtigen Ultra-Rechten, vertreten durch die eingefleischte Anti-Kommunistin Joanne Herring (Roberts), und dem vorlauten CIA-Agenten Gust Avrakotos (Hoffman) schmiedet er Allianzen im nahen Osten und erhöht den Etat für verdeckte Operationen in Afghanistan während der Neunzehnachtziger auf fast eine Milliarde Dollar. Mit Genugtuung registriert er die ersten abgeschossenen russischen Kampfhubschrauber. Wie Nichols selbst, der sich unterschwelliger Häme nicht entziehen kann. Dabei lässt sich die Satire den bissigen Spaß auch nicht vom Drama verderben, das da unter der subtil humorigen Oberfläche schlummert.

„Der Krieg des Charlie Wilson“ ist nicht die Mischung, nicht die Gratwanderung, sondern der Treueschwur an das süffisant Überspitzte. Wenn es auch (selbstverständlich) nicht ganz ohne dramatische Nuancen geht, was allein Charlies Besuch des Flüchtlingslagers im pakistanischen Grenzgebiet offenbart. Allerdings lebt der Film nicht von seiner Geschichte, er atmet durch die Dialoge, die aus Sicht seiner sympathischen non-konformen Patrioten und ihres selbstverständlichen Liberalismus die gravierende Schwäche der (auch gegenwärtigen) US-Interventionspolitik offenlegt: Die schwindelerregende Investition in Kriege, der am Ende nur der Rückzug, nicht aber der Wiederaufbau folgt.

Wertung: (7 / 10)

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