My Blueberry Nights (F/CN/HK 2007)

my-blueberry-nights„How can you say goodbye to someone you couldn´t imagine to live without?” – Elizabeth

Nach fünf gemeinsamen Jahren wurde Elizabeth (Norah Jones) von ihrem Liebsten verlassen. Für eine andere Frau. Ihre Welt bricht daraufhin zusammen. Café-Betreiber Jeremy (Jude Law, „Hautnah“) versucht sie zu trösten, mit Worten und Blaubeerkuchen. In seinem kleinen New Yorker Geschäft wollte sie eigentlich nur die Schlüssel des in der Nähe ansässigen Verflossenen hinterlegen. Aus der Zufallsbekanntschaft entsteht eine unbefangene Vertrautheit. Gerade als sich die beiden näher kommen, verschwindet die trauernde Elizabeth und begibt sich auf einen Selbstfindungstrip durch die USA.

„My Blueberry Nights” ist der erste komplett in englischer Sprache gedrehte Spielfilm von Wong Kar-Wai („Chungking Express“). Mit den Konventionen Hollywoods hat die französisch-chinesische Koproduktion selbstredend nichts zu tun. Vor klarer Genrezugehörigkeit verschließt sich die unsentimentale, betont nüchterne Romanze ebenso wie vor realitätsfremder Verkitschung. Die eigentliche Liebesgeschichte wird nur am Anfang und Ende wunderbar herzlich auf die Wiederholung eines einzigen Kusses reduziert. Die ziellose Reise dazwischen ist stark besetztes Drama mit Schwermut.

Elizabeth begegnet Menschen, in deren Schicksal sich wahre Tragödien abzeichnen. So wie beim trinksüchtigen Polizisten Arnie (David Strathairn, „Good Night, and Good Luck”), der die Trennung von Gattin Sue Lynne (Rachel Weisz, „Der ewige Gärtner“) nicht verkraftet und sich aus Gram der Selbstzerstörung hingibt. Oder Spielerin Leslie (Natalie Portman, „Die Schwester der Königin“), die selbst im nahenden Tode des Vaters nicht über den eigenen Schatten springen kann. Während dieser fast einjährigen Odyssee hält Elizabeth über Postkarten Kontakt zu Jeremy. Ihre finale Station ist damit quasi vorprogrammiert.

Jones’ Einstand als Schauspielerin gelingt. Die Sängerin bringt die Fragilität und die Trotzigkeit mit, die ihre Rolle erfordert. Dass sie dabei hinter den Leistungen ihrer namhaften Mitspieler zurückbleibt, fällt kaum ins Gewicht. Der Ruhe des Ensembles steht die Hektik der flirrenden Kamera gegenüber, an der Darius Khondji („Panic Room“) Christopher Doyle ersetzt. Wohin Kleinkunstmagier Wong Kar-Wai letztendlich strebt, bleibt unschlüssig. Wie so häufig im Gesamtwerk des Chinesen. Sein bester Beitrag zum Thema Liebesleid ist dieser sicher nicht. Über das gewisse Etwas verfügt er dennoch.

Wertung: (7 / 10)

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