Drei Vaterunser für vier Halunken (I/D/F 1972)

drei-vaterunser-fuer-vier-halunkenDeutsche Titel führen oftmals in die Irre. Bei kaum einem Genre wird das so deutlich wie beim Italo-Western. Wenn nicht gerade Django oder Sartana zu neuerlicher Zwangstitulierung missbraucht werden, sind es Namen wie „Drei Vaterunser für vier Halunken“, die arges befürchten lassen. Dessen Originaltitel „Il grande duello“ rafft den Inhalt selbst für Unkundige der italienischen Sprache weit treffender zusammen, als sein teutonisches Pendant. Duell statt Bigotterie klingt ohnehin vielversprechender und wendet die Vorahnungen einer Komödie nach dem Vorbild der Spencer/Hill-Erfolge merklich ab.

Dabei geht es durchaus ironisch zu in Giancarlo Santis aberwitziger Mixtur aus Western und Thriller. Als Regisseur sollte Santi weitgehend unbekannt bleiben, und das, obwohl er bei den Klassikern „Zwei glorreiche Halunken“ und „Spiel mir das Lied vom Tod“ als Sergio Leones Assistent fungiert hatte. Dass er dabei einiges gelernt hat, zeigt seine facettenreiche Inszenierung bereits im mit großer Ruhe und noch größerem Geschick realisierten Auftakt an einer abgelegenen Poststation. Überhaupt gibt er sich nicht mit dem Einerlei des Euro-Westerns zufrieden und setzt mit dem Drehbuch Ernesto Gastaldis („Sie verkaufen den Tod“) auf eine fintenreiche Geschichte, die ihr Spannungspotential durch zahlreiche Wendungen bis zum großen Finale aufrecht erhält.

Lee Van Cleef („Sabata“) ist wieder der Mann in schwarz und behält als Engel der Coolness die Kontrolle über jede noch so brenzlige Situation. Als ehemaliger Sheriff Clayton erlebt er davon einige, das bedingt allein sein forsches Auftreten. Aktuell beteiligt er sich an der Aufspürung des wegen Mordes am mächtigen Big Old Saxxon von Kopfgeldjägern gehetzten Philip Wermeer (Alberto Dentice). Doch macht Clayton sein Anliegen schnell klar. Er will Wermeer nicht einsperren, er will ihn zur Rückkehr in seine Heimatstadt bewegen, die von Saxxons despotischen Söhnen David (Horst Frank, „Das Gesetz des Clans“), Eli (Marc Mazza, „Mein Name ist Nobody“) und Adam (Klaus Grünberg, „Feuer, Eis und Dynamit“) unterdrückt wird. Denn er kennt den wahren Mörder des Patriarchen.

Das unterschätzte Spätwerk ist ein gewitzter, rundum gelungener Western mit erstklassigen Darstellern, stimmiger Fotografie und einem atmosphärischen Soundtrack. Den komponierten Luis Enriquez Bacalov („Django“) und Sergio Bardotti („Halleluja… Amigo“). Auch ihre Musik dient, wie die raffinierte Erzählung, der Stilisierung des beizeiten surrealen Ambientes. Zwischen desillusioniertem Abgesang und lässiger Klischeejonglage entsteht daraus ein ungewöhnlich vielschichtiges Werk, das nicht nur in Action und Augenzwinkern restlos überzeugt. So lässt dieser nachziehende Höhepunkt fast vergessen, dass sich das Genre durch die Überfrachtung des eigenen Mythos längst ausgehöhlt hatte.

Wertung: (8 / 10)

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