Django und die Bande der Gehenkten (I 1968)

django-und-die-bande-der-gehenktenVor seinem internationalen Durchbruch an der Seite von Bud Spencer schlüpfte Mario Girotti, besser bekannt als Terence Hill, in die Rolle des Django. Unter der Regie von Ferdinando Baldi („Seine Kugeln pfeifen das Todeslied“) vereint er Richter, Geschworenen und Henker in einer Person, schließlich gilt es die Mörder seiner Frau für ihre Untat büßen zu lassen. Das Verbrechen geschah auf Anweisung von Gouverneursanwärter David (Horst Frank, „Drei Vaterunser für vier Halunken“), ein alter Freund Djangos, der sich des Goldes bemächtigen wollte, das dieser zu schützen gedachte. Während der Rechtschaffende niedergeschossen wurde, starb seine Gattin im Kugelhagel. Fünf Jahre später ist er zurück, um David, mittlerweile ins Gouverneursamt berufen, und Bandenführer Lukas (George Eastman, „Django tötet leise“) den Garaus zu machen.

„Django und die Bande der Gehenkten“ ist keine Sternstunde des europäischen Westerns, wohl aber straff erzählt und ohne unwesentliches Beiwerk auf den Punkt gebracht. Tiefschürfende Charakterisierungen braucht es dazu nicht. Die Titelfigur ist der grimmige, von Rachedurst getriebene Revolverheld, die sich ihm in den Weg stellenden Chargisten nur schurkisches Beiwerk. Entsprechend wird mit ihnen verfahren. Da kommt die Aufmachung als Henker gerade recht, wenn Django sie auch nutzt, um unschuldige Todgeweihte vor dem Galgen zu bewahren. Im Vorfeld der Hinrichtung nämlich stattet er den zu Unrecht Verurteilten einen Besuch ab und versorgt sie mit Utensilien, die ihnen am Strang das Leben retten.

Die Schar der Erretteten soll dem Rächer Beistand leisten. Statt brauchbare Unterstützung zu leisten hegen die vermeintlich Toten aber eigene Pläne. Als sie einen Minentransport überfallen, an dessen wertvoller Fracht auch David reges Interesse zeigt, übermannt sie die Habgier. Für die Abhandlung des nicht eben komplex aufgezogenen Plots bedeutet die Bande der Gehenkten lediglich Füllwerk. Zwingend benötigt wird sie nicht. Dazu kommen Ungereimtheiten, die der Unterhaltung wenig zuspielen und unnötige Konstruktion in die Geschichte bringen. Denn warum wurde Django in all der Zeit als Henker nicht erkannt? Schließlich war er als Pistolero in der Gegend bekannt und hat sie nach seinem angeblichen Tod auch nicht verlassen. Und wieso übt er erst jetzt Rache? Einen schlüssigen Plan hat er nicht. Warum also warten? Antworten liefert der Film keine.

Der harte Spaghetti-Western, der nur in der gekürzten Komödienfassung „Joe, der Galgenvogel“ auf Humor setzt, spielt erst im Schlussdrittel seine Klasse aus. Bis dahin haben sich Djangos unwillige Helfer selbst egalisiert, was die Bremse löst und den Weg frei gibt für einen atmosphärischen letzten Akt. In einem brennenden Saloon stellt er sich Lukas und seiner Bande, bevor auf einem Friedhof zum Tanz mit David und seinen Mietmördern geladen wird. Dort entfaltet nicht nur der Score von Gianfranco Reverberi („Die wahre Geschichte des Frank Mannata“) endlich seine volle Wirkung, sondern es mehrt sich auch der Tributzoll an Corbuccis „Django“-Original, wenn Hill mit großem Kaliber Leichen aufhäuft.

Darstellerisch wird abseits übertriebener Routine wenig zeigbares geboten. Terence Hill verleiht dem holzschnittartigen Schrieb des Hauptcharakters, wenn schon keine Tiefe, so zumindest Präsenz. Horst Frank kommt über böses Funkeln kaum hinaus und George Eastman, den es nach dem Western in die Arme von Zombies und Gemahlin Laura Gemser verschlug, grinst sich diabolisch der verdienten Einäscherung entgegen. Baldi schafft einen sehenswerten, wenn auch in sich unbeständigen „Django“-Abrieb. Immerhin konnte Kameramann Enzo Barboni schon mal üben, wie Hill ins rechte Licht gerückt wird. Später inszenierte er gleich mehrere Streifen mit dem Prügelduo Spencer/Hill.

Wertung: (6 / 10)

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