Going to Pieces (USA 2006)

going-to-piecesFür eine jede Generation Heranwachsender, meist männlicher Jugendlicher, erfindet sich der Slasherfilm neu. So ist es seit fast 30 Jahren, seit „Halloween“ und „Freitag, der 13.“ die Lawine ins Rollen brachten. Eine Revolution des Genres, auch wenn sie „Scream“ mitunter attestiert wird, trat bislang jedoch nicht ein. Denn das von Jugendschützern und besorgten Eltern so gern ins Visier genommene Pflaster des Schlitzerhorrors funktioniert seit jeher nach einem Schema, das kaum eine Abweichung von der etablierten Normierung erlaubt.

Variabel sind die Geschichten um geisteskranke, manchmal übernatürliche Serienkiller, die zumeist leicht beschürzten Damen und Drogen zugeneigten Herren nachstellen, nicht. Bisweilen wird ja nicht einmal das Aussehen des Mörders, geschweige denn sein als zweitrangig befundenes Motiv verändert. Die Frage bleibt, warum diese oft gescholtene Gattung noch immer eine solch große Faszination auf die Zuschauer ausübt? Eine Antwort darauf versucht „Going to Pieces“ zu geben, ein Dokumentarfilm über Aufstieg und Fall des Slasher-Genres.

In Interviews und Ausschnitten fühlt Jeff McQueen dem Teen-Horror auf den Zahn. Dabei kommen etablierte Größen zu Wort, darunter die Regisseure John Carpenter („Halloween“), Sean S. Cunningham („Freitag der 13.“), Wes Craven („Nightmare on Elm Street“), Paul Lynch („Prom Night“) und Rob Zombie („House of 1000 Corpses“), die Maskenbildner und Effektspezialisten Stan Winston („Terminator“), Tom Savini („Zombie – Dawn of the Dead“) und Greg Nicotero („Tanz der Teufel 2“), Produzentin Debra Hill („The Thing“) sowie Darstellerin Betsy Palmer („Freitag der 13.“) und Komponist Harry Manfredini („Freitag der 13.“).

Von den recht vagen Ursprüngen – vorzeitliche Höhlenmalerei zur Verdeutlichung, dass die Bestie im Menschen verankert ist – bis hin zu Hitchcocks Meilenstein „Psycho“, dem quasi Gründervater des Slashers, ist es ein kurzer Weg. Die italienischen Vorbilder, unter anderem der als Referenzpunkt geltende „Bay of Blood“, werden erst später berücksichtigt. Der Fixpunkt der Veröffentlichungen von „Halloween“, „Freitag der 13.“ und „Prom Night“, die alle Zweifler durch sensationelle Erfolge Lügen straften, gibt den Ausschlag – und wird entsprechend üppig umschrieben. Dabei geht es mehr um die Funktionsweise, die Schemata und die Klischees jener Filmgattung und nur am Rande um soziologische Hintergründe.

Trotz namhafter Redner bietet „Going to Pieces“ wenig neue Erkenntnisse. Die Chance der Geschichte, die es erlaubte den Alltag auf solch grauenvoll groteske Weise zu reflektieren, wurde im ähnlich angelegten „American Nightmare“ eindringlicher aufgezeigt. Für Einsteiger lohnt der Blick wegen der Vermittlung grundlegender Kenntnisse auf jeden Fall. Fortgeschrittene können sich – und da liegt die Besonderheit – an erstmals ungekürzt in Deutschland zu bestaunenden Sequenzen manch beschlagnahmten Vertreters, erwähnt seien vor allem „Freitag der 13. – Das letzte Kapitel“, „The Prowler“ und „The Burning“, erfreuen. Es ist also für jeden (Genrefan) etwas dabei.

Wertung: (7 / 10)

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