Garden State (USA 2004)

garden-state„But that is life. If nothing else, that’s life, you know? It’s real. Sometimes it fuckin’ hurts. To be honest, it’s sort of all we have.” – Sam

Zach Braff dürfte manchem durch sein mitwirken im US-Serienlustspiel „Scrubs – Die Anfänger“ bekannt sein. Dass der Jungmime allerdings mehr Talent in sich trägt, als es die Verkörperung des spleenigen Arztanwärters J.D. vermuten ließe, stellt Braff mit seinem Debütfilm „Garden State“ unter Beweis. In Personalunion von Autor, Regisseur und Hauptdarsteller versammelt er einen funkelnden Cast um sein sympathisches Kleinod, das mit klangvollen Namen wie Natalie Portman, Peter Sarsgaard und Ian Holm aufwarten kann. Ob Braff damit in einem Atemzug mit Regisseuren wie Wes Anderson oder Alexander Payne genannt werden sollte, ist dabei nebensächlich – was zählt ist allein seine durchweg bemerkenswerte Tragikomödie.

Andrew „Large“ Largeman (Zach Braff) ist ein erfolgloser Fernsehschauspieler. Seine Heimat und Familie im fernen New Jersey hat er lange hinter sich gelassen, als ihn ein Anruf seines Vaters (Ian Holm, „Der Herr der Ringe“) über den Tod der Mutter aus seiner Lethargie reißt. Nach Jahren des eisigen Schweigens überwindet Andrew notgedrungen die tiefe Kluft zwischen sich und seinem Elternhaus und kehrt für die Beisetzung nach Hause zurück. Doch anstatt die gewünschte Konfrontation mit seinem Vater zu suchen, verbringt er die Zeit mit seinem alten Freund, dem Totengräber Mark (Peter Sarsgaard, „Kinsey“). Als er zufällig die flippige Sam (Nathalie Portman, „Closer“) kennenlernt, entwickelt sich die unfreiwillige Reise in die Vergangenheit zum seelenbereinigenden Selbstfindungstrip. Mit ungeahnten Folgen für Andrews emotionales Einsiedlerdasein.

Zach Braffs Kinoerstling will den Zuschauer nicht belehren oder die Realität um seiner selbst Willen neu definieren. Trotz grotesker Ideenfülle und konstruierter Charaktere bleiben die Figuren und Handlungsstränge greifbar. „Garden State“ ist absurd, jedoch nicht auf Kosten des Inhalts, dabei melancholisch, ohne je den Humor aus den Augen zu verlieren. Schwermut paart sich mit Lebensfreude, Zukunftsangst mit der Weisheit des Alltäglichen. Braffs Regie ist dabei stets selbstbewusst und allen voran eigenständig – Attribute, die Independent-Produktionen wie „Igby“ oder „Pieces of April“ in jüngerer Vergangenheit vermissen ließen. Der Film findet den richtigen Tonfall für die richtige Szene, ist weder haltlos übertrieben noch künstlerisch verkopft.

Die zahlreichen situationskomischen Elemente lenken das Hauptaugenmerk zu keiner Zeit vom Fokus der Figuren ab. Dabei fusionieren Charaktere und Bildkompositionen zu einer immer wieder überraschenden Einheit. Sei es bei der wohl ergreifendsten Hamsterbestattung der Filmhistorie oder bei Natalie Portmans in Zeitlupe eingefangenem Tanz vor einem knisternden Kaminfeuer. Darstellerisch offeriert Zach Braff kein ungeahntes Talent, doch schlägt er in angenehmer Zurückhaltung vornehmlich leise Töne an. Ein wortkarger Ian Holm brilliert als notwendiger Garant für integre Bodenhaftung, während Natalie Portman als sinnliche Sinnsucherin begeistert. Das berührende Finale beginnt schließlich mit einem Apostroph und endet mit einem Fragezeichen. Was könnte näher an der Wahrheit liegen als das?

Wertung: (8 / 10)

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