Cyrus (USA 2010)

cyrusDas angestrengte Wackeln mit der Handkamera und improvisierte Dialoge wurden durch die Dogma-Bewegung als Integral des Independent-Kinos etabliert. Fortan bedienten sich auch Hollywoods (mehr oder weniger) unabhängige Filmemacher dieser Stilmittel. Einen weiteren Beleg, zumindest für den fortschreitenden Einsatz des Kameraschüttelns, liefern Mark und Jay Duplass (für den Kurzfilm „The Intervention“ wurden sie bei der Berlinale 2005 mit dem Silbernen Bären prämiert) mit der gut besetzten Tragikomödie „Cyrus“ ab. Allerdings wird deren Überraschungslosigkeit trotz steter Sympathiewerte schnell offenbar.

Die von Ridley Scott und Bruder Tony produzierte Dreieicksgeschichte rankt sich um John (John C. Reilly, „Stiefbrüder“), der seit der Scheidung von Jamie (Catherine Keener, „Being John Malkovich“) in selbst auferlegter Trostlosigkeit durchs Leben dümpelt. Das ändert sich schlagartig, als er auf einer Party Molly (Marisa Tomei, „The Wrestler“) kennenlernt. Das Wagnis einer Beziehung wird allerdings durch ihren Sohn Cyrus (Jonah Hill, „Männertrip“) gestört, der sich mit – so Johns Verdacht – gespielten Neurosen die Zuneigung der Mutter bewahrt.

Daraus resultiert (natürlich) ein Buhlen um die Gunst der gutherzigen Molly, die den übergewichtigen und, abgesehen von der Komposition elektronischer Musikstücke, recht ambitionslosen Filius als nicht selbständig genug erachtet, um ihn auf eigenen Füßen stehen zu lassen. Allerdings ist „Cyrus“ keine reine Komödie, so dass der schwelende Konflikt zwischen den Männern erst auf der Zielgeraden offen hervorbricht. Über weite Strecken ist der Film eine humorvolle und obendrein ansehnlich gespielte Romanze mit seicht dramatischen Intermissionen.

Das mag zwar unterhaltsam und auch amüsant daher kommen, lässt ein Ziel aber vermissen. Denn die finale Zuspitzung und das versöhnliche Ende bleiben absehbar, so dass die Geschichte mitunter in relativer Ereignislosigkeit fortgesponnen wird. Die erzählerische Stärke der Duplass’ liegt in der Verweigerung, Konflikte und Komik auszureizen. Bevor es zu dramatischen oder humoristischen Ausbrüchen kommen kann, blenden die Brüder einfach aus. Gewährleistet bleibt damit eine Ebene des Unspektakulären, die den Figuren ihre Glaubwürdigkeit bewahrt. Nur sind die bodenständig verknüpften Elemente allesamt bekannt, so dass ein nachtragendes Aha-Erlebnis letztlich ausbleibt.

Wertung: (6 / 10)

 

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