Fled – Flucht nach Plan (USA 1996)

fledfishburneAbseits seines eigentlichen Arbeitsgebietes – dem Drehen von TV-Serien – muss man Regisseur Kevin Hooks zweifelsfrei des Diebstahls bezichtigen. Da wäre zum einen seine solide „Stirb langsam“-Verramsche „Passagier 57“ zu nennen, weiterhin auch das Buddy-Movie „Fled – Flucht nach Plan“, bei dem auch nicht gerade mit Feingefühl bei anderen Filmen gewildert wurde. Das kann man, sicherlich zurecht, verdammen, macht aber in diesem Fall einfach eine Menge Spaß. Sofern man sich damit arrangieren kann.

Der Bulle Piper (Laurence Fishburne) wird Undercover ins Gefängnis eingeschleust, um dort dem Computergenie Dodge (Stephen Baldwin) zu schmeicheln und an eine enorm wichtige Diskette zu kommen, die einen großen Drogenpapst dingfest machen könnte. Angekettet können beide fliehen und sind nun aufeinander angewiesen, denn die Gangster als auch die Polizei sind hinter ihnen her.

Besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht, nach dieser Vorgabe inszenierte Kevin Hooks seine beiden 90er Jahre Actionstreifen. „Fled – Flucht nach Plan“ wird sicherlich nicht in die Filmgeschichte als revolutionäres Actiongewitter eingehen, denn der Film ist von vorne bis hinten aus Versatzstücken von „Flucht in Ketten“, „Auf der Flucht“ und diversen Buddy-Movies zusammengeflickt worden. Der Film erstickt beinahe an seinen Klischees und Plotlöchern, kann allerdings auf seine Art und Weise dennoch angenehm anderthalb Stunden die Zeit vertreiben.

Dies mag an einem gut aufgelegten Laurence Fishburne („Matrix“) liegen, der hier den harten Kerl mimt und beidhändig tennisballgroße Löcher in seine Widersacher schießen darf. Dies kombiniert Hooks wiederum mit einigen Zeitlupen und optischen Spielereien, die zwar auch geklaut sind, aber wenigstens handwerklich gut umgesetzt wurden. Stephen Baldwin („Einsam, Zweisam, Dreisam“) hatte mal eine Zukunft, die wurde allerdings u.a. an der Seite von Pauly Shore („BioDome“) verspielt. Seitdem ist er in den Niederungen der B-Liga angekommen. Zu Recht, wenngleich er hier noch halbwegs dick im Geschäft war, dafür aber seine Quasseleien manchmal arg an den Nerven zehren. Salma Hayek („From Dusk Till Dawn“) stand hier noch am Anfang ihrer Karriere, Routinier Will Patton („The Punisher“) ist zudem auch noch mit an Bord.

Natürlich ist „Fled – Flucht nach Plan“ ein irgendwie dummer Film, aber warum soll man ihn nicht trotzdem in sein Herz schließen? Die Action ist gut und vor allem blutig, wirklich viel mehr erwartet man doch bei solch einem Film auch nicht. Wer genau mit dieser Maßgabe an den Film herangeht, wird sicherlich nicht enttäuscht sein.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Zombie Lake (F/E 1980)

    Die Geister der Gefallenen Soldaten des zweiten Weltkrieges ruhen auch sechzig Jahre nach dem Sieg über Nazi-Deutschland nicht in Frieden. Wie könnten sie auch, wo doch allein unzählige Wehrmachtsangehörige auf den Schlachtfeldern dieser Erde ihr Unwesen als todbringende Zombies treiben. „Le Lac des morts vivants“ – besser bekannt unter den Titeln „Zombie Lake“ und „Sumpf…

  • Die Hölle der lebenden Toten (I/E 1980)

    Im Fahrwasser von Romeros „Dawn of the Dead“ erhoben sich die italienischen Untoten aus allen filmischen Löchern. Manche Beiträge, wie Fulcis „Schreckensinsel der Zombies“, erreichten Klassikerstatus. Das Gros aber dient als absurd pseudo-hintergründiger Trash nur noch der Belustigung cinephiler Zeitgenossen mit eigen- wie unsinnig veranlagtem Geschmacksnerv. Diese dürften auch an „Die Hölle der lebenden Toten“…

  • Che: Guerilla (USA/F/E 2008)

    Der Abschied einer Ikone: Mit „Che: Guerilla“ setzt Steven Soderbergh sein emotionslos distanziertes Portrait des ewigen Freiheitskämpfers Ernesto „Che“ Guevara fort. Wiederum basierend auf Tagebuchaufzeichnungen des argentinischen Arztes, skizziert der abschließende zweite Teil des überlangen Revolutionsmosaiks dessen Versagen. Bereits der erste Film konzentrierte sich auf Einblicke in den umstürzlerischen Alltag und verzichtete auf die Vorgabe…

  • Independence Day: Wiederkehr (USA 2016)

    „Time to kick some serious alien ass.“ – Dr. Okun Die Aliens sind zurück. Nach ihrer Niederlage am US-amerikanischen Unabhängigkeitstag 1996 haben sich die wie Wanderheuschrecken über Planeten, Rohstoffe und Zivilisationen herfallenden Aggressoren in die Tiefen des Weltraums zurückgezogen. Für die Menschheit stand fest, dass sie eines Tages wiederkehren würden. Exakt 20 Jahre später ist…

  • 21 (USA 2008)

    In Hollywood hat seine Arbeit bereits getan, wessen Filmwerk zum Abspann hin schadlos rezipiert und ohne störende Nachwirkung verdrängt wurde. So funktioniert Unterhaltungskino, für zwei Stunden die Sinne benebeln und dann ohne viel Federlesens einfach wieder aus dem Bewusstsein des Zuschauers verschwinden. Diese Rechnung aber geht immer häufiger nicht auf. Noch während sich die Schauspieler…

  • Miami Vice (USA/D/PY/UY 2006)

    Michael Mann ist der König des Kriminalfilms. Mit „Collateral“ festigte der „Heat“-Regisseur seinen Stand als Thriller-Spezialist und experimentierte obendrein mit den Möglichkeiten digitaler Aufzeichnungsmedien. In „Miami Vice“, der filmischen Aufbereitung des stilbildenden 80er-Jahre Fernsehklassikers, führt er sie zur Perfektion. Seine Neuauflage hat mit der seinerzeit von ihm geprägten TV-Reihe nur Marginalien gemein. Pinke Flamingos, Pastellfarben…