John Wick: Chapter 2 (USA/CAN/HK/I 2017)

„You wanted me back. I’m back.” – John Wick

Niemals geht man so ganz. Das gilt für Liebende – und erst recht für professionelle Mörder. Deren bester ist, angestrebte Frühverrentung hin oder her, John Wick (Keanu Reeves, „47 Ronin“). Nach dem Tod der Gemahlin (huscht in kurzen Rückblenden wieder durchs Bild: Bridget Moynahan, „Blue Bloods“) wollte er dem Leben als Todesengel endgültig abschwören. Dann wurde sein Hund erschossen. Der daran geknüpfte, schier unverhältnismäßige Rachefeldzug mit Comic-Charakter kostete zahlreiche Gangster das Leben. Vorüber ist die Geschichte damit aber noch nicht. Denn um das Blutbad final zu beschließen, fehlt noch etwas: John Wicks Auto.

Das könnte als Aufhänger der wiederum von Ex-Stuntman Chad Stahelski gefertigten Fortsetzung so herrlich simpel sein. Doch Drehbuchautor Derek Kolstad will mehr, er will eine Geschichte erzählen, die tiefer in den weltumspannenden Geheimbund der Gangster und Mörder mit ihrer seltsam ehrenwerten, von Winston (Ian McShane, „American Gods“) und Assistent Charon (Lance Reddick, „Bosch“) verwalteten Etikette blickt. Nur leider kommt dem Ansatz damit die schnörkellos brutale Leichtigkeit abhanden. Der hoffnungsvolle Auftakt macht da weiter, wo der Erstling aufgehört hat. John bahnt sich in bester Bulldozer-Manier seinen Weg durch eine Übermacht an Feinden, um sein schlussendlich kaum noch als solches zu identifizierendes Vehikel aus der Verwahrung von Verbrecher Tarasov (Peter Stormare, „The Last Stand“) zu beschaffen. Ende. Oder besser: Anfang.

Weil John dem ambitionierten Mafiosi D‘Antonio (Riccardo Scamarcio, „Romanzo Criminale“) einen mit Blut besiegelten Gefallen schuldet, soll er dessen umfassender Machtausweitung im Wege stehende Schwester (Claudia Gerini, „Die Passion Christi“) eliminieren. Der anfänglichen Weigerung folgt die Zerstörung von Johns Haus. Statt sich daraufhin erneut  der Vendetta hinzugeben (die kommt später), willigt er ein und erfüllt seinen Auftrag in Rom wie ein Uhrwerk mit vollautomatischer Bewaffnung. Bis dahin allerdings dauert es. Das Sequel hält sich zu lange mit streckender Belanglosigkeit auf. Die schicke Optik und der nutzlose Auftritt von Ur-„Django“ Franco Nero helfen da wenig. „John Wick 2“ suhlt sich in der lethargischen Ausschmückung seiner streng strukturierten Unterwelt, in der hinter biederen Fassaden ganz und gar mörderisches Equipment bereitgestellt wird.

Im Mittelteil, mit der bleihaltigen Bewältigung von Johns Auftrag, schaltet Regisseur Stahelski auf Dauer-Action. Keanu Reeves mäandert zwischen Stoik und Traurigkeit, treibt seiner Gegnerschaft blutig Kugeln oder Alltagsgegenstände ins Hirn und setzt auf Gegenwehr, als D‘Antonio über Winston ein Kopfgeld auf ihn aussetzt. Das führt im öffentlichen Raum New Yorks zur endgültigen Eskalation der Gewalt – kerniges Messerduell mit Hip-Hopper Common („Hell on Wheels“) in der U-Bahn inklusive. Die beteiligte Schauspielerriege ist mit John Leguizamo („Bloodline“), Laurence Fishburne („Hannibal“) – als Anführer eines militanten Obdachlosenverbundes –, Ruby Rose („Resident Evil: The Final Chapter“) oder David Patrick Kelly („Last Man Standing“) sehenswert bestückt, der zunehmenden Monotonie des herben Gewaltmarathons haben sie allerdings nur wenig entgegenzusetzen. Ein dritter Teil wird trotzdem kommen, dafür ist dank des offenen, für John seltsam unbequemen Finales hinlänglich gesorgt.

Wertung: (5,5 / 10)

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