Fist of the North Star (J 1986)

fistofthenorthstar86Kenshiro, die Faust des Nordsterns, ist ungehalten. Wer würde es ihm verdenken, so eine Berufung zum auserwählten Weltenretter bringt schließlich zwangsläufig Neider auf den Plan. In „Fist of the North Star“, Toyoo Ashidas („Vampire Hunter D“) Trickfilm-Adaption des populären Mangas von Benson und Tetsuo Hara, sind es dergleichen drei. Der erste, Shin, ist die Faust des Südsterns und ehemals ein Vertrauter Kens. Das aber hält ihn nicht davon ab, dem Kollegen aus den Norden in der Wüste aufzulauern, um ihm seine Geliebte Julia (eigentlich Yuria) streitig zu machen. Dafür prügelt ihn Shin mit bizarren Kampftechniken zu Klump und popelt ihm mit den Fingern im Brustkorb herum.

Die beiden anderen Neider sind Jagi und der hünenhafte Raoh, Kens durchtriebene Brüder, die aus der Ferne Zeugen des grausamen Treibens werden. Jagi schleudert den geschundenen Körper des Blutsverwandten nach Shins Abgang gar in eine tiefe Schlucht. Fortan beansprucht Raoh den Titel der Faust des Nordsterns, was Kens gleichmütigen Meister das Leben kostet. Geklärt ist der Sachverhalt damit aber längst nicht. Denn Ken ist mitnichten tot und entsteigt, als die Not der Unschuldigen weiter wächst, den Ruinen der im Feuer des nuklearen Holocausts untergegangenen Zivilisation.

Ashidas ultrabrutales, selbst in der regulären Uncut-Fassung durch Verfremdungseffekte noch entschärftes Endzeit-Epos ist mehr als eine bloße Rachegeschichte und trotz mythologischer Elemente nur bedingt als klassische Konfrontation zwischen Gut und Böse zu bezeichnen. Nach malerischem Auftakt mit „Schwarzwaldklinik“-Score erzählt der Prolog von der Zerstörung der Welt. Das ausgleichende Verhältnis von Ying und Yang gerät aus den Fugen und hinterlässt Ruinenstädte und öde Wüsten. Immer wieder beeindruckend ist das Bild des Schiffes, das einen Wolkenkratzer durchbohrt. Doch abseits solch nachhaltig prägender Bilder ist die Animation der große Schwachpunkt des Films. Vor allem die Gestaltung der oft überproportionierten Figuren wirkt detaillos und kantig.

Der technischen Unzulänglichkeit stellen die Macher aber die Faszination einer komplexen Erzählung und krasse Gewalt gegenüber. Neben Kens Bestreben, seine Peiniger zu bestrafen und Julia aus Shins Händen zu befreien, rankt sich das von Benson und Tetsuo Hara selbst verfasste Skript auch um die Zukunft der Menschheit. Deren Sinnbild ist die (buchstäblich) kleine Lin, die das letzte Saatgut und einen Pflanzenschößling mit sich führt. Aber wie das so ist in der Postapokalypse, stehen hehren Zielen übermächtige Fieslinge und marodierende Banden im Wege. Ihnen setzt Ken mit Bruce Lee-Geschrei und übernatürlicher Kampfkunst (dem Hokutu Shinken) zu, die den Körper durch gewaltsame Beanspruchung verschiedener Reizpunkte von innen heraus zerstört.

Auf diese Weise hinterlassen er und etwaige andere Kämpfer in Scheiben zerlegte Gegner und zerfetzte Körper. Dies ewige Bersten des Fleisches mit seinen spritzenden Eingeweiden ist ungeachtet der formalen Ausrichtung als Trickfilm nichts für Zartbesaitete. Dem streitbaren Gewaltgrad steht der verschachtelte Plot gegenüber, der Ken einerseits als Rächer in eigener Sache und andererseits als Retter der Unterdrückten zeigt. Nachdem er Jagi und Shin besiegt hat, steht ihm noch der nach Allmacht gierende Raoh entgegen. Ihr finales Duell findet – selbst wenn das kryptische Ende der internationalen Fassung anderes suggeriert – keinen Sieger. Anders als in der vorangegangenen 152-teiligen (!) TV-Serie und dem 1995 nachgeschobenen Realfilm findet der Kampf gegen Tyrannei und die Suche nach Julia damit kein wahres Ende.

Wertung: (7 / 10)

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