The Walking Dead (Season 4.2) (USA 2014)

the-walking-dead-season-4.2„Just look at the flowers.“ – Nach diesem Satz ist nichts mehr wie zuvor: Carol

Das Prinzip der Staffelteilung ist bei amerikanischen TV-Serien nichts Besonderes. Seit Season drei gilt das auch für das gefeierte Splatter-Drama „The Walking Dead“. Die Erweiterung auf je 16 Episoden begünstigte eine Winterpause, über die sich durch sorgsam aufgebaute Cliffhanger trefflich mit der Erwartung der Zuschauer spielen lässt. Im Falle der vierten Staffel ist der Bruch im Erzählfluss sogar durchaus sinnvoll. Denn die ersten acht Folgen brachten die Fehde zwischen der Gruppe um Ex-Sheriff Rick (Andrew Lincoln) und dem despotischen Governor in gewaltreicher Eskalation zum Abschluss. Was auf die Erstürmung des Gefängnisses über die versprengten Überlebenden hereinbricht, ist dreckiger Überlebenskampf in der zombifizierten Wildnis.

Im Vorfeld wurde darüber spekuliert, ob der von  David Morrissey grabkalt verkörperte Governor wirklich tot sei. Schließlich war sein Ableben nicht direkt zu beobachten. Die zweite Hälfte der vierten Season räumt mit derartigen Erwartungen gleich in der ersten Szene auf. Die Kamera schweift über das Schlachtfeld und gewährt dabei auch einen Blick auf den per Kopfschuss gerichteten Schurken. Bis zum wiederum spektakulären Finale beschreitet die Reihe jedoch erzählerisch neue Wege. Anstatt des großen Ganzen präsentiert das Produzentengespann, zu dem unter anderem Gale Anne Hurd („Terminator“) und der vermehrt auch Regie führende Effektspezialist Greg Nicotero („Masters of Horror“) zählen, die episodische Fokussierung auf einzelne Charaktere.

Das wirkt bisweilen ein wenig zäh, gewährt aber den nötigen Raum, um einzelne Charaktere intensiver zu betrachten. Davon profitiert insbesondere die schwertschwingende Kampfamazone Michonne (Danai Gurira), die bei ihrer Einführung der Graphic Novel-Vorlage entsprechend comichaft wirkte. Mittlerweile ist auch sie eine menschlich glaubhafte Figur mit Ecken, Kanten und seelischen Narben. Nach kurzem Rückfall in den „Einsamer Wolf“-Modus begibt sie sich auf die Suche nach den anderen und stößt schließlich auf den schwer verletzten Rick und Sohn Carl (Chandler Riggs). Überlebenskünstler Daryl (Norman Reedus) schlägt sich mit Beth (Emily Kinney) durch, der jüngsten Tochter des vom Governor enthaupteten Hershel (in der letzten Folge mit rückblickendem Gastauftritt: Scott Wilson).

„They’re screwing with the wrong people.“ – Auf dem Weg zum neuen ‘Endzeit-Badass‘: Rick

Dessen andere Tochter Maggie (Lauren Cohan) begibt sich mit Sasha (Sonequa Martin-Green) und Bob (Lawrence Gilliard Jr.) auf die Suche nach ihrem Glenn (Steven Yeun). Der tut es ihr gleich und paktiert bei der Flucht aus den Ruinen des Gefängnisses mit Tara (Alanna Masterson), der einzigen Überlebenden aus dem Gefolge des Governors. Auf ihrem Weg treffen sie auf den Soldaten Ford (Michael Cudlitz, „Southland“), der den nerdigen Vokuhila-Wissenschaftler Dr. Porter (Josh McDermitt) nach Washington geleitet, wo er der Zombie-Katastrophe (in reichlich naiver Ausbreitung) Einhalt gebieten soll. Bleibt noch Sashas Bruder Tyreese (Chad L. Coleman), der mit Ricks Baby und zwei Mädchen durch die Wildnis irrt und schließlich auf Carol (Melissa McBride) trifft, die von Rick ob des Mordes an zwei erkrankten Gruppenmitgliedern verstoßen wurde.

Die schicksalhafte Betrachtung der letztgenannten Kleingruppe bürgt in Episode 4.14 für eine der bittersten Entwicklungen des bisherigen Serienverlaufs. Denn bislang ungeklärt blieb, wer die vor den Gefängniszäunen aufgelaufenen Zombierudel mit Ratten fütterte – und mit welcher Motivation. Mit Fokus auf meist nur eine der aufgeführten Parteien verliert die Serie an Dynamik. Auf die Qualität wirkt sich das jedoch nicht aus. Denn die Blicke auf die von ziellos umherirrenden Untoten-Horden überrannte Welt läuten auch atmosphärisch deutlicher als zuvor die Endzeit ein. Die akute Hoffnungslosigkeit wird durch Hinweisschilder an der nahen Bahntrasse gedämpft. Die Kommune Terminus verheißt Obdach und Schutz. Skepsis allerdings bleibt nicht nur beim Zuschauer.

Daryl bringt es trefflich auf den Punkt: Die Guten sterben, übrig bleiben die moralisch Unbeschwerten, die für ihr Überleben alles tun. Diese These unterstreicht auch die von Jeff Kober („Sons of Anarchy“) geführte Männergemeinschaft, auf die der domestizierte Redneck stößt, ohne zu ahnen, dass diese Jagd auf Rick macht. Auch dieser Konflikt wird rabiat gelöst. An das eimerweise aus Zombieköpfen spritzende CGI-Blut hat man sich gewöhnt und ist mit den Protagonisten abgestumpft. Beim sinnlosen Kampf der schwindenden Menschheit gegeneinander ist das Schockpotenzial jedoch deutlich größer. Dafür steht auch das Ende in Terminus, das sich als finstere Vorahnung einbrennt. Die Gruppe wird in Erwartung neuer Gräuel (größtenteils) zusammengeführt. Der Cliffhanger wiegt angesichts der Wartezeit bis zur fünften Staffel schwer. Was bleibt ist der gewohnte Platz für wilde Spekulationen.

Wertung: (8 / 10)

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