Face/Off – Im Körper des Feindes (USA 1997)

faceoffwooJohn Woo ist der Mann der wichtigen Actionfilme. Wegweisendes brachte er in Hongkong auf die Leinwand, wo er Gunplay-Epen wie „A Better Tomorrow“, „The Killer“ oder „Hard Boiled“ schuf. Dem Ruf Hollywoods folgte die Umgewöhnung. „Harte Ziele“ zeigte, dass sein gewohntes Vorgehen Konflikte mit Produzenten und Sittenwächtern heraufbeschwor. Also passte er sich an. „Broken Arrow“ wurde zum typischen US-Werk, bei dem zumindest in Sachen Coolness ein Hauch des Meisters blieb. Das einzige Glanzlicht seiner zweiten Karriere lieferte Woo mit „Face/Off“ ab, in dem er Leib- und Magenthemen wie Loyalität und Aufopferung an den Geschmack des amerikanischen Publikums anpasste.

Der Plot ist nicht selten Absurd, wenn John Travolta („Pulp Fiction“) und Nicholas Cage („The Rock“) Gesicht und Rollen tauschen, um mit veränderten Vorzeichen einen erbitterten Krieg auszutragen. Cage spielt den irren Bombenleger Castor Troy. Während seiner Festnahme durch Bundespolizist Sean Archer (Travolta) fällt er schwer verletzt ins Koma. Um das Versteck seines letzten Sprengsatzes in Erfahrung zu bringen, wird Troys inhaftierter Bruder Pollux (Alessandro Nivola, „Anatomie einer Entführung“) verhört. Der aber würde sich nur dem Verwandten anvertrauen, so dass Archer dank medizinischen Fortschritts das Gesicht des Feindes aufgepflanzt bekommt. Dumm nur, dass Troy in der Zwischenzeit erwacht, die Prozedur seinerseits wiederholen lässt und sämtliche Mitwisser tötet.

Trotz der Überstrapazierung bekannter Stilmittel – die Tauben in der Kirche, der Schusswechsel durch Zwischenwände, beidhändiges Feuern in Zeitlupe – bedeutet „Face/Off“ für das US-Kino einen modernen Klassiker. Die Opponenten Travolta und Cage spielen sich um Kopf und Kragen, nicht selten am Rande maßlosen Chargierens, und bekriegen sich nach allen Regeln der (Action-)Kunst. Woos Fertigkeit als Ästhet der fliegenden Kugeln bewirkt zwar nicht komplett begeisterungsfähigen Totentanz – zumal er das eigene Oeuvre einmal mehr in aller Deutlichkeit plündert –, sorgt aber für ansprechend gestylte Bilder und furiosen, in seiner Frequentierung merklich geminderten, Schusswaffengebrauch.

Dramaturgisch ist das höchst konstruiert, nicht selten platt, wenn Troy in Archers Rolle dessen Familienleben, respektive Frau (Joan Allen, „Pleasantville“) und Teenagertochter (Dominique Swain, „Alpha Dog“) auf Touren bringt, während Archer wiederum in Troys Position den Scherbenhaufen dessen verkorkster Existenz durchlebt. In diesem Balleropus ist längst nicht alles Gold was glänzt, doch beweist John Woo, dass er auch ohne ausufernde Gewalt gute Filme produzieren kann. Im Wege stehen ihm dabei grassierende Unlogik und zügelloses Pathos, was das Vergnügen mindert, jedoch nicht wesentlich konterkariert. Ein gelungener, wenn auch bisweilen maßlos überschätzter Film.

Wertung: (7 / 10)

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