From Paris with Love (F 2010)

from-paris-with-love„Wax on and Wax off.“ – Mit Catchphrase im Kugelhagel: Wax

Es ist bezeichnend, dass John Travolta in „From Paris with Love“ wieder die Worte „Royale with Cheese“ spricht. Der Burger-Dialog aus „Pulp Fiction“, in dem der gefallene „Saturday Night Fever“-Star ein furioses Comeback feierte, bleibt unvergessen. Seit dem ist Travolta wieder groß im Geschäft, erinnerungswürdige Rollen blieben jedoch die Ausnahme. Dass eine solche ausgerechnet die des schießwütigen Spions Charlie Wax ist, mag überraschen. Schließlich erwiesen sich Luc Bessons Ausflüge als Produzent ins Actionfach, solche wie „Unleashed“ oder „Ghettogangz“, doch als eher bemüht lässig denn wirklich cool.

Neben Travolta, der mit Glatze, Bart und Proleten-Outfit schon rein äußerlich alle Register der Übertreibung zieht, liegt die Funktionalität des ruppigen Buddy-Actioners in der Inszenierung Pierre Morels begründet. Der Regisseur hatte mit Besson bereits beim streitbaren Selbstjustiz-Thriller „96 Hours“ zusammengearbeitet und türmt auch diesmal mit verblüffender Selbstverständlichkeit Leichen auf. Die teils harsche Gewaltdarstellung wirkt zweifelsfrei stilisiert, durch abrupte Schnitte und hektische Kameraführung aber grundlegend nicht (völlig) unrealistisch. Im Zusammenspiel mit der grotesken Tonalität mag das reichlich zynisch erscheinen. Doch macht der politisch völlig unkorrekte Streifen einfach mächtig Laune!

„Next time I tell you to shoot the fucker, shoot the fucker!“ – Als Mentor die Wucht in Tüten: Wax

Der verhaltene Auftakt gehört „The Tudors“-Star Jonathan Rhys Meyers, der als Agent James Reese an der Seite des amerikanischen Botschafters in Paris ein geordnetes Leben führt. Der leicht biedere Intellektuelle hegt jedoch die Ambition, selbst Spion zu werden, darf auf Geheiß eines unbekannten Anrufers aber höchstens mal die Nummernschilder eines Fahrzeugs tauschen. Seine große Chance zur Bewährung in geheimer Mission sieht Reese gekommen, als er ausgerechnet den kaltblütigen Wax bei der Jagd auf Terroristen begleiten soll. Während der an der Seine nämlich keinen Stein auf dem anderen lässt, versucht der sichtlich überforderte Partner zwischen wüsten Schusswechseln seine aufgebrachte Verlobte Caroline (Kasia Smutniak) zu beschwichtigen.

Auf Anspruch, guten Geschmack und letztlich auch die Liebe wird in diesem gnadenlos gegen den Strich gebürsteten No Brainer nicht bloß gepfiffen, sondern großkalibrig aus allen Rohren gefeuert. Feingeister dürften angesichts des heftigen Komparsenverschleißes und der reichlich dünnen Handlung vor Fremdscham im Boden versinken. Wer es aber kurzweilig und krawallig mag, sich nicht an mangelnder Logik oder tendenziell reaktionärer Hau Ruck-Mentalität stört und obendrein auch noch Brachialhumor zu schätzen weiß, der wird an „From Paris with Love“ Gefallen finden. Besson und Morel schneiden den Film im ironisch gepfefferten Auskommen amerikanischer Überlegenheit zwar auf ein US-Publikum zu. Amüsieren dürfen sich selbstredend aber auch alle anderen – und das nicht allein über Travoltas abgefahrene Performance.

Wertung: (6,5 / 10)

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