Operation: Broken Arrow (USA 1996)

John Woo und Hollywood: eine künstlerische Liaison, die viel versprach, statt großen Klassikern aber lediglich solide Action-Kost hervorbrachte. Nach seinem durchwachsenen, partiell immerhin furiosen US-Einstand „Harte Ziele“ (1994) bedeutete „Operation: Broken Arrow“ (1996) seine zweite Regiearbeit in Nordamerika. Dass auch diese unmöglich an seine Hong-Kong-Pflichtwerke „A Better Tomorrow“ (1986), „The Killer“ (1989), „Bullet in the Head“ (1991) oder „Hard Boiled“ (1992) heranreichen würde, überraschte wahrlich niemanden. Allerdings resultiert aus dieser Erkenntnis beileibe kein schlechter Film. Denn die sympathische Devise lautet: wenig Substanz, viel Kurzweil.

„Broken Arrow“, so der knappere Originaltitel, verbindet Radau-Standard nach Bauart von „Stirb langsam 2“ (1990) oder „Cliffhanger“ (1993) mit Woos unverkennbarer Handschrift – hier allerdings ohne Begleitung gewaltreich blutbesudelter Bleihagel. Oder durchs Bild flatternder weißer Tauben. Woos Stilistik offenbart sich bereits beim einleitenden Trainings-Boxkampf zwischen den Air-Force-Piloten Vic Deakins (Woo-Kollaborateur in „Face/Off“: John Travolta) und Riley Hale (Woo-Kollaborateur in „Windtalkers“: Christian Slater). Mit Gegenschnitten und Zeitlupendetails macht der Genre-Maestro eines unverzüglich klar: Die folgenden rund 100 Minuten bedienen allein klassisches Männerkino.

Die Kamera setzt dabei gern auf die Gegenüberstellung von Opponenten. Damit mag die Bildsprache plakativ erscheinen, nur folgt sie passenderweise einem Plot (Drehbuch: Graham Yost, „Speed“), der Simplizität zur Tugend erhebt und Logik zum zweckfremden Zaungast degradiert. Travoltas schnell als Schurke identifizierter Terrorist fügt sich dank lustvoll überzogener Performance perfekt in diesen Rahmen ein. Der zum Heldentum verdammte Slater hat es da schon schwerer. Allerdings raucht er auch nicht so cool wie sein Gegenüber und spricht auch meist nicht durch geschlossene Zahnreihen. Der Rest des Casts, durch Kurtwood Smith („Fortress – Die Festung“), Delroy Lindo („Schnappt Shorty“) oder Frank Whaley („Pulp Fiction“) prominent unterfüttert, kann da nur schwerlich mithalten.

Zum Zerwürfnis von Deakins und Hale kommt es, als der Erstgenannte während eines Testflugs mit einem Tarnkappenbomber die darin transportierten Atomraketen über einem unbewohnten Wüstenlandstrich abwerfen will. Mit Hilfe einer Söldnerschar (darunter Ex-Footballprofi Howie Long, „Firestorm“) plant er, die US-Regierung um ein Vermögen zu erpressen. Doch mit einem hat Deakins nicht gerechnet: Hale. Denn der überlebt den Mordversuch im Flugzeug und macht sich mit der zufällig zu ihm stoßenden Wildhüterin Terry Carmichael (Samantha Mathis, „American Psycho“) daran, die schurkischen Pläne zu durchkreuzen. Dass die jedoch vorsehen, als Druckmittel eine der beiden erbeuteten Bomben in einem Minenschacht zu zünden, spricht für den bisweilen enthemmten Charakter des Films.   

Zur pathetischen Musik von Hans Zimmer („Gladiator“) lässt Woo einiges explodieren. Hirn kann „Broken Arrow“ im Zuge des Nonstop-Brimboriums nur schwerlich attestiert werden, dafür stimmt das Tempo und die Füllszenen zwischen den reichhaltigen Actionszenen sind willkommen kurz. Trotz der farbintensiven 90’s-Optik und manch angestaubtem Effekt ist der u. a. von Genre-Spezi Dwight H. Little („Rapid Fire“) produzierte Streifen durchaus würdig gealtert. Dass es jedoch wahrlich keinen John Woo für die Inszenierung gebraucht hätte, darf dem geneigten Wertschätzer anspruchslosen Kinokrawalls merklich weit am Allerwertesten vorbeigehen. Fazit: auch heute noch sehenswert!

Wertung: (6,5 / 10)

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