Eine Flut von Dollars (I 1966)

eine-flut-von-dollarsAls politisch unkorrekte Abwandlung uramerikanischer Filmthemen ging der Italo-Western in die Geschichte ein. In seiner Anfangsphase Mitte der sechziger Jahre jedoch war sein Erscheinen noch spürbar von US-Standarten und deren charakterlichen Stereotypen geprägt. Die eigene Note, diese sich im Sinne des Film Noir etablierende Unberechenbarkeit, setzte sich erst allmählich durch. Bei Carlo Lizzanis („Der Bucklige von Rom“) klischeebewährtem Rache-Opus „Eine Flut von Dollars“ entspricht sie mehr einer vagen Andeutung, einer innovativen Ahnung, die von Hollywood-Anlehnungen noch merklich überlagert wurden.

Zu Beginn flüchten die Banditen Brewster (Thomas Hunter, „Anzio“) und Seagall (Nando Gazzolo, „Django – Nur der Colt war sein Freund“) vor der Nordstaatenarmee, die sie zuvor um 600.000 Dollar erleichterten. Um die Verfolger abzulenken, trennen sich die Outlaws. Seagall sucht mit der Beute unbemerkt das Weite, während Brewster von den Soldaten gestellt, zusammengeschlagen und schließlich eingekerkert wird. Fünf Jahre später wird er freigelassen und erfährt auf schmerzliche Weise, dass der ehemalige Partner, nun ein mächtiger Grundbesitzer, das gegebene Verbrechen gebrochen und seine Familie ihrem Schicksal überlassen hat.

Natürlich dürstet es den Betrogenen nach Rache, wofür er mit dem undurchsichtigen Getz (Dan Duryea, „Winchester ´73“) paktiert. Der schleicht sich in die Gefolgschaft des ebenso reichen wie skrupellosen Geschäftsmannes ein und berichtet glaubhaft vom Tode des einstigen Sträflings. Der wiederum erregt bald die Aufmerksamkeit von Mendez (Henry Silva, „Der Berserker“), der rechten Hand Seagalls, und kommt dem Ziel seiner Vendetta damit stetig näher. Doch Brewsters Doppelspiel wird durchschaut, so dass sich die Gewalt einmal mehr in einem üppigen Showdown entlädt.

Dramaturgisch ist die Plotte vom Rächer reichlich dünn gestrickt, fährt mit Silva aber einen drollig grimassierenden Schurken am Rande der Hysterie auf. Seine Figur hat Format und überstrahlt leichter Mine das dröge Schema des Guten gegen die Böse Übermacht. Was die Produktion von Dino De Laurentiis („Dune – Der Wüstenplanet“) endgültig über den Durchschnitt hebt, ist die prächtig eingefangene Kulisse des rauen Westens und der ansprechende Score von Meister Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“). Genre-Fans sollten damit eigentlich auf ihre Kosten kommen.

Wertung: (6 / 10)

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