Navajo Joe – Kopfgeld: Ein Dollar (I/E 1966)

navajojoeMit Selbstbräuner zur vigilanten Rothaut: Burt Reynolds ist Navajo Joe, ein Einzelgänger, der das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. Wer würde es ihm verübeln? Schließlich hat Bandenführer Duncan (Aldo Sambrell, „Todesmelodie“) seinen Stamm massakriert. Für die Skalps aufrührerischer Indianer erhielt er bisher je einen Dollar. Doch der Kopfjäger und seine Mannen gingen zu weit. Die wiederholte Tötung friedfertiger Ureinwohner macht die Mörder auch offiziell zu Gesetzlosen. Die Zeit für Joes Rache ist gekommen. Seine Forderung ist seinerseits die Prämie von einem Dollar für jeden durch seine Hand zur Strecke gebrachten Verbrecher.

„Kopfgeld: Ein Dollar“, auch bekannt unter dem Titel „An seinen Stiefeln klebte Blut“, fährt hinter der Kamera große Namen auf. Regie führte Sergio Corbucci, der dem Spaghetti-Western mit „Django“ und „Leichen pflastern seinen Weg“ unsterbliche Klassiker schenkte. Als dessen Assistent trat Ruggero Deodato in Erscheinung, der später den umstrittenen Kannibalenklassiker „Nackt und Zerfleischt“ inszenieren sollte. Die Musik besorgte der 2007 Oscar-geadelte Genregroßmeister Ennio Morricone („Spiel mir das Lied vom Tod“) unter dem Pseudonym Leo Nichols. Zudem produzierte Dino De Laurentiis, der später nach Hollywood umsiedelte und solch unterschiedliche Werke wie „Orca, der Killerwal“ und „Hannibal“ auf die Leinwand brachte.

Das große Problem liegt in der Diskrepanz zwischen formaler Stärke und inhaltlicher Schwäche. Kamera und Musik schaffen intensive Momente, die aber zu oft von Logikmängeln und ärmlichen Dialogen zerstreut werden. Hauptdarsteller Reynolds („Ein ausgekochtes Schlitzohr“), seinerzeit in Amerika noch weitgehend unbekannt, genügt der Rolle nur in den zahlreichen, dabei nicht selten ruppigen Actionsequenzen, in deren Abseits sich der spätere Superstar aber reichlich hölzern gibt. Auch die ihn umwehende Coolness wirkt aufgesetzt. Zum tragen kommt sie nur, wenn er sich wie ein Raubtier auf seine Gegner stürzt.

Das zynische Bleigewitter gefällt durch regen Komparsenverschleiß, umzäunt diesen aber durch unnötig verworrene Handlungsstränge. Der durchtriebene Dr. Lynn (Pierre Cressoy, „Adios Gringo“) nämlich paktiert mit Duncan, um an ein auf der Schiene in seine Heimatstadt – naiv und unbewaffnet – transportiertes Vermögen zu gelangen. Weil aber Navajo Joe ein ums andere Mal dazwischenfunkt, gerät der Plan wie die friedliebenden Bewohner in Gefahr. So wird der simple Plot durch reichlich Randfiguren, unter anderem Priester Fernando Rey („French Connection“), aufgeblasen, die aber kaum zählbares zum alibihaften Aufhänger beisteuern. Trotz klangvoller Namen ein nur durchschnittlicher Rachewestern.

Wertung: (5 / 10)

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