Dom Hemingway (GB 2013)

dom-hemingway„My head is throbbing. It’s fuckin’ throbbin’. Like a disco in my head. Like a fucking Manila disco full of transvestites and suckling pigs.“ – Dom Hemingway

Jude Law ist Dom Hemingway. Das allein muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Mit langgezogenem Cockney-Akzent wird daraus ein Statement. Doch nicht nur die Sprache, auch die äußere Erscheinung lassen keinen Zweifel, dass der britische Schönling massiv gegen sein Image anspielt. Mit lichtem Haar und stattlicher Plauze gibt er den titelgebenden Gangster als eindrucksvollen Gegenentwurf zu seinen Rollen in „Alfie“ oder „My Blueberry Nights“. Zu Beginn überzieht er den Zuschauer mit einer Schimpftirade. Sie dient als Wegweiser einer absurd gefärbten Charakterstudie, mit der Richard Shepard („Mord und Margaritas“) weitgehend gelungen Gangster-Groteske und Drama verbindet.

Frisch aus dem Knast entlassen, poliert Safe-Knacker Dom dem neuen Lebensgefährten seiner Ex-Frau erst einmal vor versammeltem Kollegium die Fresse. Als Sympathieträger scheidet er damit schnell aus. Laws sehenswerter Darbietung ist es jedoch zu verdanken, dass der Zuschauer seinem großmäuligen Ex-Knacki beim Tritt in Gesichter und Fettnäpfchen mit anhaltendem Interesse beiwohnt. Der Plot gleicht einem Unfall, bei dem man den Blick einfach nicht abwenden kann. Die Erzählung allerdings wirkt unzusammenhängend. Die erste Hälfte zeigt Dom und den treuen, wiederholt beschimpften Gefährten Dickie (Richard E. Grant, „Die eiserne Lady“) bei Gangsterboss Ivan Fontaine (Demián Bichir, „The Hateful Eight“). Der hat die beiden aus Dankbarkeit darüber eingeladen, dass ihn der Inhaftierte während seiner Zeit hinter Gittern nicht verpfiffen hat.

Doch selbst wenn Doms eigenwilliger Ehrenkodex einen solchen Verrat nicht toleriert hätte, hält ihn das nicht davon ab, die Stimmung in der Villa seines Gönners durch unbedachte Aussagen und aufdringlich rüpelhaftes Verhalten zu kippen. So endet der Abend mit Ivan, dessen Gespielin Paolina (Mădălina Diana Ghenea, „Zoolander 2“) und der Prostituierten Melody (Kerry Condon, „Unleashed“) auf groteske Weise tragisch. In der Folge schlägt Autor und Regisseur Shepard eher ruhige Töne an. Als der Rausch der ersten Tage in Freiheit verflogen ist, bemüht sich Dom darum, dass zerrüttete Verhältnis zu Tochter Evelyn („Game of Thrones“-Star Emilia Clarke) zu kitten. Nur verspürt die wenig Lust, den unzuverlässigen und wenig sozialisierten Erzeuger in ihr Leben – und das ihres kleinen Sohnes – zu lassen.

„Dom Hemingway“ wirkt nicht vollends zufriedenstellend. Das liegt vorrangig daran, dass die Verdorbenheit der starken Hauptfigur samt der damit verknüpften Konsequenzen noch deutlicher hätte in den Mittelpunkt gerückt werden können. Daran ändert auch die Episode nichts, in der Dom versucht beim Sohn von Ivans Erzrivalen Arbeit zu finden – und fast seine Männlichkeit verliert. Zudem wirkt die sanfte Näherung an Tochter und Enkel so kontrastreich entschleunigt, dass der Film zwangsläufig in zwei Hälften zerfällt. Das wiegt angesichts der starken Performance Jude Laws, erlesen besetzten Nebenrollen und Humor am Rande der Fremdscham nicht zwingend schwer. Nur überträgt sich Laws sichtliches Vergnügen nicht automatisch auch auf den Zuschauer.

Wertung: (6,5 / 10)

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