Dogtown Boys (USA 2005)

dogtown-boysLange bevor Tony Hawk zu einer Art Franz Beckenbauer des Skatens aufstieg und ebenso lange bevor die X-Games zu einem medialen Großereignis mutierten, nutzten einige Jugendliche die Gunst der Stunde und gründeten eines der ersten Skate-Teams in Venice Beach, Kalifornien. Einer von ihnen war Stacy Peralta, der das Drehbuch zu „Dogtown Boys“ schrieb und in dem in Anlehnung an wahre Erlebnisse die Geschichte der Jungs und die Anfänge des Skateboardens erzählt werden.

Venice Beach im Jahre 1975: Die drei Freunde Stacy (John Robinson), Jay (Emile Hirsch) und Tony (Victor Rasuk) interessieren sich nicht für Schule und Zukunft, für sie zählt nur der Spaß, das Surfen und Skaten. Von den älteren werden sie zwar eher belächelt und nicht ernst genommen, doch plant der Besitzer des hiesigen Surfladens, Skip (Heath Leadger), mit ihnen ein Skateboard-Team zu gründen. Stacy schafft es jedoch nicht sofort ins „Zaphyr“-Team von Skip, da er aufgrund seines Nebenjobs nicht „Pirat“ genug sei.

Beim ersten Turnier tritt Stacy aber als unabhängiger Skater an und gewinnt prompt, so dass er fortan auch im „Zaphyr“-Team mit seinen Kumpels skaten darf. Die Monate verstreichen und das Team avanciert zur größten Attraktion auf den zahlreichen Turnieren. Die Fahrer werden zu Stars, vor denen auch die zahlungsfähige Konkurrenz von Skip keinen Halt macht. Eitelkeiten, Geld und Liebe bringen die drei Freunde auseinander und jeder geht irgendwie seinen Weg, so dass das Team auseinanderbricht. Aus ehemaligen Freunden sind nun Konkurrenten geworden, bei denen jeder seine eigenen Ideale aber letztlich doch noch einmal überdenken muss.

„Dogtown Boys“ ist ein liebevoller Blick zurück in die Vergangenheit, als Skateboardfahren noch in den Kinderschuhen steckte und erste Helden geboren wurden. In Anlehnung an die damalige Zeit – eine Biografie oder Dokumentation stellt der Film nicht dar – erzählt Regisseurin Catherine Hardwicke vom Erwachsenwerden von Freunden und dem langsamen Aufstieg einer ganzen Subkultur. Ihr handwerkliches wie erzählerisches Geschick bewies Hardwicke bereits mit dem Jugenddrama „Dreizehn“ und auch in ihrem neuen Film bedient sie sich einer ähnlichen Erzählweise. Der jugendliche Leichtsinn und die Unbekümmertheit ihrer Protagonisten weicht mit zunehmendem Bekanntheitsgrad dem Hang hin zum Geld, letztlich zählt aber Freundschaft mehr als jeder Sponsor. Die Entwicklung der Personen ist glaubwürdig geschildert, gute darstellerische Leistungen sorgen für die nötige Präsenz auf der Leinwand.

Die drei jungen Burschen John Robinson als Stacy Peralta – der im Original für das Drehbuch verantwortlich war und somit ein realer Bezug mehr als nur hergestellt ist – als auch seine beiden Kollegen Emile Hirsch und Victor Rasuk überzeugen als draufgängerische Skater, bei der jeder anders mit dem schnell kommenden Ruhm umgeht. Auch wenn ihre Entwicklungen manchmal arg nach Schema-F schreien, so wirkt es nie zu aufgesetzt. Heath Leadger („Brokeback Mountain“, „Der Patriot“) liefert als dauerbreiter Surf- und Teambesitzer eine grandiose Vorstellung ab, während „Jackass“-Banause Johnny Knoxville („Ein Duke kommt selten allein“, „Walking Tall“) als Pseude-Pimp (aber so war wohl damals die Mode) für optische Lacher sorgen kann. Die bereits in „Dreizehn“ überzeugende Nikki Reed zeigt auch hier, dass sie das nötige Talent besitzt, um in einigen Jahren vielleicht ganz oben zu sein. Die Legende Tony Hawk gibt sich in einem kurzen wie amüsanten Cameo die Ehre und auch die Punkrocker von Rise Against AGAINST dürfen mal kurz ihre Instrumente inmitten einer tanzenden Meute schwingen.

„Dogtown Boys“ ist bestimmt kein Film für die breite Masse, dafür ist das Thema vielleicht zu speziell, doch ist es eine liebevolle Hommage an eine längst vergangene Ära. Die gezeigten Tricks spiegeln sicherlich nicht heutige Standards wider, doch geht es hier um die Anfänge und nicht um eine aktuelle Bestandsaufnahme. Und wenn man sich altes Filmmaterial von Tony Hawk anschaut, dann hat auch er auf diesem Niveau begonnen. Die Unbekümmertheit der Figuren, die langsame Entwicklung einer späteren Subkultur und der überaus gelungene Soundtrack machen „Dogtown Boys“ zwar vornehmlich zu einem Fest für „Fans“ des Skateboardens und Surfens, doch auch Normalos dürften an diesem Film ihre Freude haben.

Wertung: (7 / 10)

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