Jackass: Nummer zwei (USA 2006)

jackass-nummer-zweiWer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Selten passte die alte Weisheit besser als bei „Jackass: Numer zwei“. Gegenüber dem ersten Kinofilm der selbstzerstörerischen Chaos-Crew um Johnny Knoxville („Ein Duke kommt selten allein“) hat sich nichts Wesentliches verändert. Noch immer beweisen die Teufelskerle in absurden Streichen und erschreckend gefahrvollen Stunts Sinn für Humor und Todesmut. Die Kritiker ließen am ersten abendfüllenden Streifen der Truppe kaum ein gutes Haar. Von Degeneration, von Perversion war die Rede. Falsch liegt die Fachpresse mit dieser Einschätzung sicher nicht. Allerdings gibt der Erfolg dem Konzept Recht. Der erste Teil spielte allein in Amerika knapp 70 Millionen Dollar ein. Die Fortsetzung wusste den Erstling noch zu übertrumpfen. Nicht nur in kommerzieller Hinsicht.

Natürlich erscheint der Unterhaltungswert eines erwachsenen Mannes, der in die Miniaturreplik eines Badezimmers kackt diskussionswürdig. Überhaupt scheinen die populären Anti-Helden keine Grenzen mehr zu kennen. Da wird pelziger Pferdedung verspeist, das Ejakulat eines Pferdes getrunken oder der Darm mit Bier gespült. Die Schamgrenze ist so niedrig wie das Niveau. Und doch kann „Jackass: Nummer zwei“, sofern man sich auf diese Stufe herablassen will, ein Riesenspaß sein. Mit infantiler Begeisterungsfähigkeit schlüpft Knoxville in die Verkleidung eines provozierenden Greises, der seinem Enkel Schnaps und Zigaretten gibt. Die gewohnt derben Zoten werden auch mit dem physischen Gegenpol des fettleibigen Preston Lacy und des kleinwüchsigen Jason ‘Wee Man’ Acuña getrieben.

Die Steigerung gegenüber dem ersten Teil bewirkt das weit höhere Tempo. Wo der Vorgänger vereinzelte Durststrecken zu überwinden hatte, gibt der Aufguss über die gesamte Spielzeit Vollgas. Wie ungesund das sein kann, veranschaulichen nicht nur die herausgeschnittenen Szenen im Abspann. Gaststars wie Kult-Regisseur John Waters („Hair Spray“), die Sportler Tony Hawk und Matt Hoffman oder Filmemacher Spike Jonze („Being John Malkovich“), einer der Erfinder von „Jackass“, runden das Geschehen ab und steigern das Amüsement. Der Zuschauer wird zum Voyeur, teil der ästhetischen Grenzüberschreitung. Spätestens wenn sich Steve-O einen Angelhaken durch die Wange treiben lässt, um als Köder für Haie im offenen Meer zu fungieren, fallen Unterhaltung und Entsetzen zusammen. Der Film geht dahin wo es weh tut. Eine Überbietung ist wohl nur möglich, wenn sich Knoxville und Co. in Zukunft vorsätzlich verkrüppeln oder umbringen.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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