Atreyu – A Death-Grip on Yesterday (2006, Victory Records)

atreyu-a-death-grip-on-yesterdayDas Platten mit steigendem Banderfolg nicht zwangsläufig an Qualität gewinnen spürt man im Hause Victory Records derzeit am Beispiel HAWTHORNE HEIGHTS. Fraglich bleibt wie lange, folgten doch bislang beinahe alle erfolgreichen Acts des Chicagoer Labels – zuletzt bekanntlich TAKING BACK SUNDAY – dem Ruf der Majorindustrie. ATREYU ist eine weitere dieser heiligen Kühe des Independent-Sektors. Ihr letztes Album „The Curse“ wurde vergoldet, die Messlatte für den Nachfolger „A Death-Grip On Yesterday“, bei dem das Klopfen hochdotierter Vertragsangebote in jedem Akkord mitzuschwingen scheint, entsprechend hoch geschraubt.

Die erste Überraschung ist der Umfang, fanden doch lediglich neun Songs ihren Weg aufs fertige Endprodukt. Der Rest jedoch entspricht zu einhundert Prozent allen Erwartungen und Befürchtungen, die das musikinteressierte Individuum nach einer Scheibe wie „The Curse“ hegen durfte. Alex Varkatzas, schreiendes Reibeisen und ATREYU-Frontmann, büßt gegenüber Drummer und Zweitstimme Brandon Saller weiter an Boden ein. Der kommerzielle Nutzen der Band entspringt zu einem Großteil dessen Fähigkeiten, metallene Instrumentalisierung in ohrwurmtaugliche Refrains kanalisieren zu können. Entsprechend wird Varkatzas nicht selten zum Nebendarsteller degradiert. Die jüngste Konserve gewinnt damit weiter an Eingängigkeit, schleift aber auch ein nicht zu unterschätzendes Bündel an Formelhaftigkeit hinter sich her.

Die Struktur wirkt beizeiten arg vorhersehbar – der eine krächzt die Strophe, der andere besorgt die melodische Brücke. Schlecht ist das sicher nicht, vor allem weil Melodieführung und Sound genährter denn je erscheinen. Dessen ungeachtet stellt sich rasch ein gewisser Stillstand ein. Ein gefälliger Mix aus Metal-Hardcore und Indie-Rock dominiert noch immer das Feld, beim balladesken Tränendrücker „The Theft“ darf aber durchaus sauer aufgestoßen werden. Ihre Fans, allen voran die jüngeren, wird das Gespann mit „A Death-Grip On Yesterday“ nicht enttäuschen. Der Rest wird sich nur wenig darüber wundern, dass ATREYU mit Album Nummer drei ein noch deutlicheres Signal als zuletzt in Richtung Massenkompatibilität aussenden.

Wertung: (6 / 10)

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