Verflucht, verdammt und Halleluja (I/F/JUG 1972)

verfluchtverdammthallelujaSo ein Greenhorn hat es schwer im Wilden Westen. In den „Lucky Luke“-Comics wurden sie geteert und gefedert, mit Schüssen zwischen die Beine zum Tänzchen aufgefordert oder blieben, sofern sie sich in den rauen Gebräuchen nicht unterwerfen mochten, einfach auf der Strecke. In „Verflucht, verdammt und Halleluja“ ist es an Terence Hill („Mein Name ist Nobody“) im schroffen Amerika zum Manne zu reifen. Sein Vater, genannt der Engländer, war ein gutherziger Bandit. Nach dessen Tode soll es nun am belesenen Sohnemann Joseph sein, sich am naturverbundenen Landbesitz des Verstorbenen zu erfreuen. Dem intellektuellen Briten, ein Schöngeist mit Fahrrad in der Prairie, fällt das sichtlich leicht.

Um die Sicherheit der Manneswerdung zu gewährleisten, nehmen sich die drei Gefährten des Engländers, Bull (Gregory Walcott, „Sinola“), Monkey (Dominic Barto, „Shaft“) und Holy Joe (Harry Carey Jr., „Die Teufelsbigade“), seiner an und führen ihn in die hohe Kunst des morgendlichen Saufgelages und der zünftigen Kneipenschlägerei ein. Der gewitzte Europäer fügt sich schnell in die harte Welt des Westens ein, deren legendäres Gesicht durch den unaufhaltsamen Fortschritt allmählich verblasst. Nur mit Schusswaffen hat er es nicht so, was sich erst ändert, als er mit Revolvermann Morten (Riccardo Pizzuti, „Eine Faust geht nach Westen“) um die Gunst einer liebreizenden Ranchertochter kämpfen muss.

Enzo Barbonis („Die rechte und die linke Hand des Teufels“) Western-Komödie ist arg vorhersehbar und auch mit einigen Längen erzählt, erfreut aber durch eine muntere Inszenierung und das amüsante Spiel der Darsteller. Terence Hill variiert das ihm angestammte Rollenprofil lediglich durch den Hintergrund des britischen Bildungsbürgers, aus dem nach hartem Training schließlich doch ein ganzer Kerl wird. Den Machoriten und Westerngebräuchen begegnet er mit Cleverness, wenn er sich durch mathematisches Einfühlungsvermögen als Naturtalent mit dem Schießeisen entpuppt. Die Gegensätzlichkeit zwischen ihm und seinen drei Mentoren sorgt für charmanten Kulturclash, der bisweilen zwar albern daherkommt, in der Kurzweil aber das Herz am rechten Fleck trägt.

Die Alberto Grimaldi-Produktion wird durch die DVD-Veröffentlichung aus dem Hause Koch Media zum echten Schmankerl für Genre-Fans. Neben einem umfangreichen Booklet, Trailern und einer Bildergalerie erregen vor allem das üppige Interview mit Nebenakteur Riccardo Pizzuti und die Featurette mit Filmhistoriker Antonio Bruschini Aufsehen. Barbonis launige Western-Parodie mag zwar nicht vollends überzeugen, mit dieser klasse ausgestatteten Scheibe ist aber definitiv ein zusätzlicher Kaufanreiz geschaffen worden.

Wertung: (6,5 / 10)

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