Discipline – Stake Your Claim (2016, Rebellion Records)

discipline-stake-your-claimEs hatte wohl kaum mehr jemand ernsthaft damit gerechnet, dass DISCIPLINE noch einmal auf der Bildfläche erscheinen würden. Vor fast genau sechs Jahren erschlug Frontmann Joost De Graaf seine Frau mit einem Hammer und zündete das gemeinsame Haus an. Der damit verbundene Suizidversuch scheiterte und nach seiner Festnahme wurde De Graaf zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nachdem der erste Schock verdaut war, stand für die verbliebenen Bandmitglieder fest, dass es irgendwie weitergehen musste. Schließlich hatten sie DISCIPLINE über die Jahre erfolgreich als Marke etabliert.

2012 übernahm Merijn Verhees das Mikro und die Niederländer gingen wieder auf Tour. Endgültig in die Spur finden die Oi!-Rocker aber erst jetzt zurück – mit der Veröffentlichung ihres neuesten Langspielers „Stake Your Claim“. Allerdings sollte der Titel nicht allzu wörtlich genommen werden. Denn neu abstecken müssen die Eindhovener ihr Revier auch nach 11 Jahren ohne reguläres Studio-Output nicht. Das belegt bereits der Opener „My Time Will Come“, der schnörkellos nach vorn getriebenen Working-Class-Punk mit schneidendem Bass und reichlich Mitgröl-Potenzial aufbietet. Das folgende „We Can’t Be Beaten“ drosselt das Tempo zwar merklich, sprüht aber ebenfalls vor ’77-Spirit. Dies stimmige Wechselspiel hat Bestand, bis zur finalen Kneipen-Hymne „We Own the Pub Now“.

Überraschend stark blicken DISCIPLINE in eine Zeit zurück, als der Begriff Skinhead nicht gleichbedeutend mit Nazi war. Die Hitdichte ist beachtlich, der Sound angenehm ungeschliffen. Dazu versucht Verhees erst gar nicht, zu klingen wie sein Vorgänger. Schnell wird klar, dass mit ihm (und seinem stimmungsvoll versoffenem Organ) eine neue Ära in der bandeigenen Historie eingeläutet wird. Die macht mit Gassen-, pardon Gossenhauern des Kalibers „The New Bovver Boys“, „Get Me Out of Here“ oder dem Cover des GENERATION X-Klassikers „Your Generation“ definitiv Lust auf mehr. Dass „Stake Your Claim“ dabei lediglich altbekannte Street-Punk-Motive variiert, stört nicht im Geringsten.

Wertung: (7 / 10)

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