Die Wutprobe (USA 2003)

die-wutprobeBei einer Betrachtung der Werkschau von Kinokomödiant Adam Sandler sticht augenblicklich das recht eingeschränkte Rollenspektrum des mitunter arg strapazierenden Mimen hervor. Ungeachtet dessen sorgte leicht verdauliche Kost des Kalibers „Billy Madison”, „Happy Gilmore” oder „The Wedding Singer” stets für volle Kassen, daran konnte auch die überraschende kommerzielle Bauchlandung von „Little Nicky” nichts ändern. Denn nach dem Erfolg der platten Posse „Mr. Deeds” und der darstellerischen Herausforderung in „Punch-Drunk Love” kaspert sich Sandler nun durch „Die Wutprobe”, eine Komödie nach bekanntem wie bewährtem Strickmuster, die ohne den dreifachen Oscar-Preisträger Jack Nicholson („Einer flog über das Kuckucksnest”) nicht einmal die Hälfte Wert wäre.

David Buznik (Sandler), Designer von Bekleidungsstücken für Haustiere, ist ein Duckmäuser wie er im Buche steht. Sein Vorgesetzter schmückt sich regelmäßig mit beruflichen Erfolgen seines Untergebenen und Davids Entfaltungsängste in der Öffentlichkeit und sein dem eigenen Empfinden zufolge zu kurz geratenes Glied gestalten die Beziehung zu seiner Freundin Linda (Marisa Tomei) nicht gerade unproblematisch. Auf einer berufsbedingten Flugreise eskaliert plötzlich der Wunsch nach einem Kopfhörer und mündet in die Ruhigstellung Davids mit einem Elektroschocker.

Auslöser für diese unsanfte Behandlung ist indes dessen Sitznachbar Buddy Rydell (Nicholson), der mit schallendem Gelächter und peinlichen Fragen so manche Zornesader auf Davids Stirn zu verantworten hat. Vor Gericht wird der vermeintliche Schläger schließlich zu Anti-Aggressionstraining verdonnert, bei keinem geringerem als Dr. Buddy Rydell und seiner Selbsthilfegruppe psychisch dezent angeschlagener Choleriker (u.a. Luis Guzman und John Turturro). Als sich jedoch ein weiterer unglücklicher Vorfall ereignet, bei dem David einer Barbedienung mit dem Stock eines blinden Mannes das Nasenbein zertrümmert, zeigt sich die Gerichtsbarkeit weniger gnädig und unterstellt den unschuldigen Wiederholungstäter der Rundumbetreuung Rydells. Und so zieht der Doc kurzerhand bei seinem Patienten ein und das vorprogrammierte Chaos nimmt seinen Lauf.

Wenn zwei Darsteller wie Jack Nicholson und Adam Sandler in einem Film aufeinandertreffen, dann liegt eine Lehrgeldzahlung des Letztgenannten klar auf der Hand. Denn während der sinistre Jack Nicholson eine phasenweise brüllend komische Performance zum Besten gibt, spult Adam Sandler lediglich das gewohnte wie bewährte Repertoire an Minenspielen und Gefühlsregungen ab. Das gestaltet sich mitunter amüsant bis witzig, doch verdirbt eine ganze Fülle an Plattheiten das durchgängige Sehvergnügen schon frühzeitig. Dazu bei tragen auch zum Teil überflüssige Kurzauftritte von Schauspielgrößen wie Woody Harrelson („Natural Born Killers”), John C. Reilly („Chicago”), Heather Graham („Boogie Nights”) oder John Turturro, der sich nach der unrühmlichen Nebenrolle in „Mr. Deeds” erneut in einem Sandler-Vehikel verheizen lässt. Da bleibt auch für Oscar-Preisträgerin Marisa Tomei („Mein Vetter Winnie”) herzlich wenig Spielraum für gute Ansätze übrig.

Mit „Die Wutprobe” hat der komödienerfahrene Regisseur Peter Segal („Die nackte Kanone 33 1/3″) einen durchaus amüsanten und immer unterhaltsamen Schwank über die Bekämpfung mangelnden Selbstvertrauens vorgelegt, dessen starke Momente bedauerlicherweise durch flache Zoten und das fast unerträglich schmalzige Heile-Welt-Finale getrübt werden. Somit bleibt trotz stimmiger Chemie zwischen den Protagonisten und einem überragenden Jack Nicholson nicht mehr als gehobener Durchschnitt.

Wertung: (6 / 10)

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