50 erste Dates (USA 2004)

50-erste-datesIn der steilen Karriere des Adam Sandler geht es längst nicht mehr um die kommerzielle Ausbeute seiner infantilen Humorkanonaden, die in gesunder Kontinuität die magische Hürde von 100 Millionen eingespielten Dollar überwinden. Stattdessen gilt es zu selektieren, ob und mit welchen Possen der platte Komiker auf qualitativer Ebene zu überzeugen im Stande scheint. Sandlers jüngste Leinwandauftritte „Mr. Deeds” und „Anger Management” förderten, abgesehen von kruden Kalauern und der mimischen Majorität Jack Nicholsons, wenig brauchbares zu Tage.

Schillernde Ausnahme markiert in diesem Zusammenhang einzig Paul Thomas Andersons famoses Kleinod „Punch Drunk Love”, dass aufgrund seiner Verlagerung des Kino-Clowns in anspruchsvollere Gefilde in der Gunst des Publikums durchfiel. Aus welchem Grund also sollte die von Komödienspezialist Peter Segal („Die nackte Kanone 33 1/3″) inszenierte Gute-Laune-Klitsche „50 erste Dates” mit dem gängigen Standard Sandler’scher Erzeugnisse brechen? Vernünftige Gründe liegen keine vor, doch funktioniert die zweite Interagitation Adam Sandlers mit Filmpartnerin Drew Barrymore nach dem zuckersüßen Erfolgsfilm „Eine Hochzeit zum verlieben” allein durch die Transformierung der zotigen Gags in ein beziehungskomödiantisches Handlungskorsett.

Henry Roth (Adam Sandler), lokaler hawaiianischer Meeres-Veterinär, zieht die Gesellschaft einsamer Touristinnen vor. Geplagt von Bindungsängsten erfährt sein Leben eine schicksalhafte Kehrtwende, als er eines Tages die lebensfrohe Lucy (Drew Barrymore) kennenlernt. Unglücklicherweise verlor Lucy bei einem schweren Autounfall ihr Kurzzeitgedächtnis, was sie jeden Tag als den 13. Oktober, das Datum des unglückseligen Vorfalls, wahrnehmen lässt. Befangen in dieser fragilen Seifenblase geheuchelter Realität folgt sie der eingeschworenen und von ihrer Familie mit sichtlichem Akribismus aufrecht erhaltene Routine mit jedem neuen Tag. Frühstück im gleichen Restaurant, das Feiern des Geburtstags ihres sorgenden Vaters (Blake Clark, „Ein (un)möglicher Härtefall”) und das tägliche Bemalen der heimischen Garagenwände.

Mit dem nächtlichen Schlaf entschwindet die Erinnerung des Tages aus Lucys Gedächtnis, bis am Morgen danach traurige Vergessenheit Einzug hält. Henry, zum ersten Mal nicht aus physischen Gründen an einer Annäherung interessiert, gibt sich alle Mühe, einen festen Platz in Lucys beschädigtem Hirn zu erlangen. Aus der offenkundigen Not eine Tugend machend, gereift Henry zum prägenden Part ihrer täglichen Routine. Mit zunehmendem Erfolg. Eine in sorgsamer Kleinarbeit zusammengestellte Videokassette gibt Lucy Auskunft über ihr haderndes Schicksal und lässt die junge Frau zumindest zeitweise dem Gefängnis ihrer Beeinträchtigung entfliehen. Probleme treten erst auf, als Lucy den aufopfernden Henry aus ihrem Leben verdrängen will, um das seinige nicht vollends zu beanspruchen.

Wer in Fontänen kotzende Walrösser, sexuell frustrierte osteuropäische Mannweiber oder mit Beleidigungen um sich werfende asiatische Rentner zu seiner humoristischen Prämisse deklariert, der wird bei „50 erste Dates” in helle Verzückung geraten. Doch weiß das amüsante Skript die beizeiten recht gering ansässige Niveaustufe mit einem beinahe klassischen Love-Comedy-Plot zu kaschieren und überdies auszuhebeln. Denn die Chemie zwischen den gut gelaunt aufspielenden Adam Sandler und Drew Barrymore erweist sich neuerlich als stimmig, zotiges Traktieren unterhalb der Gürtellinie nicht als oberstes Gut.

Für Lacher abseits der Rahmenhandlung sorgt neben Sean Astin („Der Herr der Ringe”) als Lucys debiler Bruder vor allem der obligatorische Sandler-Sidekick Rob Schneider („Animal”) in ruhmreich sinnfreier Nebenrolle als entarteter Hawaiianer. Darüber hinaus gibt es in Form eines gelungenen Cameos ein Wiedersehen mit der wankelmütigen 80er-Ikone Dan Aykroyd („Ghostbusters”). Natürlich mündet der Film in ein romantisches Finale, immerhin aber ohne den schier unerträglichen Schmalz von „Big Daddy” oder „Anger Management”. Damit garantiert „50 erste Dates” sehenswertes Genrekino – zumindest gemessen an den Standarten des Adam Sandler.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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