The Walking Dead (Season 8.1) (USA 2017)

„I hope you got your shitting pants on.“ – Negan

Der Krieg beginnt. Rick (Andrew Lincoln) gegen Negan (Jeffrey Dean Morgan), die geknechteten Kommunen Alexandria, Hilltop und Kingdom gegen die despotischen Saviors. Nach der bisweilen phlegmatischen Entwicklung der vergangenen Staffel(n) verspricht der eskalierende Konflikt zumindest gesteigertes Tempo. Tatsächlich schaltet „The Walking Dead“ zum Auftakt der achten Season auf Dauer-Action. Aber wie so häufig: Auch das andere Extrem, hier der gewaltreiche Gegenentwurf zur häufig zerredeten Zuspitzung, funktioniert nur bedingt. Das liegt, die finale Episode der vorangegangenen Staffel nahm es vorweg, auch an beliebig inszenierten Schießereien in „A-Team“-Manier. Trotzdem gerät der traditionell von Effekt-Spezi (und Produzent) Greg Nicotero gedrehte Auftakt solide.

Die Faszination für die beklemmende, von Zombies verseuchte Endzeit ist jedoch verschwunden. Geblieben ist die bloße Unterhaltung. Als Rezipient der ersten Stunde schert man sich irgendwie noch um die etablierten Figuren. Doch ihr mittlerweile als Klimax missbrauchtes Schwinden berührt kaum noch. So auch diesmal, wenn zur Halbzeit das Ende eines weiteren Ur-Charakters eingeläutet wird. Im Vorfeld dieser kalkulierten emotionalen Achterbahnfahrt ist es an Rick, zum Erstschlag gegen Negan auszuholen. Das funktioniert durch die Beteiligung des vernarbten Dwight (Austin Amelio), der die Front gegen den Endzeit-Warlord als Überläufer mit Informationen versorgt, scheinbar ausgezeichnet. Allerdings verschwenden die Aufständischen bei ihrer Attacke auf Negans Hauptquartier derart viel Munition, als stünde ihnen ein unbegrenzter Vorrat zur Verfügung.

Wie so oft wird die Narration durch Zeitsprünge unterbrochen. Hier wird geschossen, dort eint Rick die Verbündeten durch flammende Plädoyers an die Freiheit. Daneben sieht man ihn mit blutunterlaufenen Augen unter einem Kirchenfenster. Es ist der Vorgriff auf das, was kommt. Denn so einfach wie gedacht vollzieht sich der Sturz der Saviors nicht. So führt die erste Offensive zwar zur Einkreisung von Negans Lager durch eine Armee von Wiedergängern, geschlagen ist der brutale Herrscher damit aber längst nicht. Ein Highlight entfaltet sich dabei in den kammerspielartigen Zwiegesprächen des isolierten Negan mit dem am Angriff beteiligten, in der vorangegangenen Season arg unterbeschäftigten Priester Gabriel (Seth Gilliam). Dabei gewinnt selbst der zur Übertreibung neigende Despot Negan an Profil und offenbart gar ein Stück seiner Vorgeschichte. 

lNachdem der bleihaltige Auftakt zwar konsequent, aber auch dezent monoton auf Krawall pocht, kehrt im Anschluss (relative) Ruhe ein. „The Walking Dead“ war nie ein Format der Endlos-Turbulenz. Nur dreht sich die Serie erzählerisch immer häufiger im Kreis. Ein Beleg dafür findet sich in der verräterischen Schrottplatzkommune um Jadis (Pollyanna McIntosh), der Rick entgegen ihres Verrats neuerlich einen Pakt anbietet. Ein weiteres Beispiel: Aarons (Ross Marquand) Reise in die Küstenkolonie Oceanside samt neuerlicher Werbung für ein Bündnis. Die insgesamt zu inkohärent ausgebreitete Halbstaffel wirkt in diesen Momenten schlicht überdehnt. Dabei führen die behandelten Themen, und mögen sie im Kern noch so altbacken erscheinen, durchaus zu packenden Konflikten. Im Mittelpunkt steht der klassische Tenor George A. Romeros: Das wahre Monster ist immer (noch) der Mensch.

Auf dessen Rücken werden jedoch moralische Zwiespalte verhandelt, die das Geflecht der Sympathieträger nachhaltig durcheinanderwirbeln. So mutiert der sonst Gewaltverzicht predigende Morgan (Lennie James) endgültig zum Berserker. Der Streit mit dem humanistischen Jesus (Tom Payne) eskaliert insbesondere über die Frage nach dem Umgang mit gefangenen Saviors. Während zahlreiche Feinde einfach hingerichtet werden, lässt Maggie (Lauren Cohan) ein Internierungslager errichten. Auch Daryl (Norman Reedus) und Tara (Alanna Masterson) erweisen sich als wenig zimperlich. Ethische Grenzen werden aufgelöst, die Kluft zwischen Richtig und Falsch überwunden. Doch selbst der unerbittliche Rick muss erkennen, dass die Null-Toleranz-Politik buchstäblich mehr Waisen produziert, als notwendig. 

Was die einen rege beschäftigt hält, führt für andere zur Verbannung auf die Randplätze. Das gilt diesmal vor allem für die von Rick geschonte Michonne (Danai Gurira) und Carl (Chandler Riggs), der im Wald aber immerhin den versprengten Siddiq (Avi Nash) auflesen darf. Negan und Gefolge bleiben weitgehend in die Defensive gedrängt. Dabei gilt es vorrangig, Autorität zu wahren und einen Weg zu finden, das Untoten-Heer zu überlisten. Dabei wird, neben Simon (Steven Ogg), vor allem Eugene (Josh McDermitt) in die Pflicht genommen. Der Gegenschlag der Saviors scheint also lediglich eine Frage der Zeit. Verbunden ist er, wie der gesamte Kriegsbeginn, mit regem Personalschwund. Allerdings bleibt das Gros der Opfer vorhersehbar, geht ihr Ableben doch meist mit plötzlicher Tatkraft einher. So wie beim CGI-Tiger von Ezekiel (Khary Payton). Die Möglichkeiten von König und Kampfkatze bleiben insgesamt allerdings sträflich unausgeschöpft.

Für weitere Höhepunkte sorgt endlich wieder die resolute Carol (Melissa McBride), die im Rambo-Modus zu alter Hochform aufläuft. Manch starker Szene steht allerdings ausgewachsener Unfug gegenüber. Dazu zählt etwa die Verfolgung von Rick und Darryl eines Transporters mit großkalibrigen Waffen. Mit denen wurde zuvor das Gefolge Ezekiels mit faustgroßen Einschusslöchern gespickt. Den immanenten Hauptfiguren können die gewaltigen Projektile aber naturgemäß wenig anhaben. Damit bleibt „The Walking Dead“ auch diesmal – und ungeachtet des atmosphärisch gelungenen Schlussaktes – tendenziell auf Abstiegskurs. Die einst gefeierte Serie erweist sich zu häufig als banal und dramaturgisch ungelenk. Zumindest der generelle Unterhaltungswert bleibt amtlich. Dass viele Fans trotzdem das Interesse verlieren, ist ihnen kaum zu verdenken.        

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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