The Beyond – Geisterstadt der Zombies (I 1981)

thebeyondfulciMit dem Splatterfilm öffneten sich dem Horrorgenre neue Pforten. Die Wesenszüge des Urängste bedienenden Kinos wurden apokalyptischer, beizeiten gar kulturpessimistisch. Der Splatter ist ein Kind des Horrors, bleibt jedoch nicht auf diesen fokussiert. Das Kino der moderne ist durchzogen vom sinnlichen Vergnügen körperlicher Offenlegung. Genres spielen dabei längst keine übergeordnete Rolle mehr, dies belegt allein Mel Gibsons klerikales Blutbad „Die Passion Christi“ (2004).

Angefacht durch den weltweiten Erfolg von George A. Romeros „Dawn of the Dead“ (1978) loteten vor allem südeuropäische Filmemacher die Grenzen des Zumutbaren aus. Einer der bekanntesten Regisseure dieser Generation ist der Italiener Lucio Fulci. Seine Karriere begann mit Thrillern, Komödien und Western. Der internationale Durchbruch stellte sich mit „Woodoo – Schreckensinsel der Zombies“ (1979) ein, Fulcis 24. Film. Der Erfolg band ihn an visuelle Pein und physische Zerstörung – eine Entwicklung, die dem Regisseur nicht immer behagte.

Nur ein Jahr nach „Woodoo“ inszenierte Fulci den umstrittenen Klassiker „Ein Zombie hing am Glockenseil“. In Deutschland wurde der Film ebenso beschlagnahmt, wie der darauf folgende „The Beyond“, der auch unter den Titeln „Über dem Jenseits“ und „Die Geisterstadt der Zombies“ veröffentlicht wurde. Fulci selbst charakterisierte sein Opus gern als „absoluten Film“. Damit gemeint war der Verzicht auf eine geradlinige Handlung und Logik. Als impressives Gesamtkunstwerk schöpft „The Beyond“ seine Aura aus der Abfolge verstörender Bilder und visueller Reize.

Frei von Subtext und Message steht auch in diesem Falle die Wundinszenierung im Vordergrund. Das veranschaulicht bereits die Eingangssequenz, in der ein wütender Lynchmob den Hexer Schweick (Antoine Saint-John, „Ginger und Fred“) grausam richtet. Allein anhand dieser ersten Minuten zeigt sich Fulcis Stilistik. Es ist das Spiel mit aufgerissenen Augenpaaren in Großaufnahme und bis zur Unerträglichkeit gedehnter Gewalt. Auf Subtilität wird konsequent verzichtet, vielmehr weidet sich die Kamera in quälenden Naheinstellungen an der Zerstörung des Körpers.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später erbt Liza (Catriona MacColl, „Das Haus an der Friedhofsmauer“) das Anwesen, in dem Schweick einst lebte und starb. Die junge Frau will das heruntergekommene Gemäuer sanieren und zu einem Hotel ausbauen lassen. Das Grauen beginnt mit dem Unfall eines Arbeiters und schraubt sich mit dem Mord an einem Klempner seiner unheiligen Bestimmung entgegen. Denn das Haus ruht auf einer der sieben Pforten zur Hölle und zollt der Neugier der Eindringlinge einen hohen Tribut – das eigene Leben.

Als gewaltreicher Schocker funktioniert „The Beyond“ ausgezeichnet. Optisch angelehnt an klassische Gruselfilme ist das Schüren von Beklommenheit und Furcht oberste Prämisse. Atmosphärisch dicht verwebt Lucio Fulci morbide Szenenfolgen und malerische Einstellungen zu einem nervenzerrenden Alptraum, aus dem es für die Protagonisten kein Erwachen mehr gibt. Das Auftauchen der Zombies ist ein klar abgesteckter Kompromiss an die thematische Präferierung des Publikums, der Übergriff des Schäferhundes auf seine blinde Herrin (Cinzia Monreale, „Das Stendhal Syndrom“) eine Hommage an Dario Argentos „Suspiria“ (1977).

Aus der heutigen, meist CGI-verwöhnten Sicht mögen die Masken und Effekte von Genre-Spezialist Giannetto De Rossi („Woodoo“, „High Tension“) bisweilen unfreiwillige Komik hofieren. Den unheilvollen Tenor des Films unterstreicht das beeindruckende Make-Up dennoch vortrefflich. „The Beyond“ ist ein Klassiker des Euro-Horrors und eines der eindrucksvollsten Werke des Lucio Fulci. Von den Zensurbehörden früh als gewaltverherrlichend verdammt, wird damit einmal mehr der künstlerische Aspekt des Splatters rigoros verleugnet. Elend brutal ist Fulcis Bilderflut allemal, nur sollte die Wahl der Rezeption einzig dem Zuschauer obliegen.

Wertung: (8 / 10)

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