Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn (USA/NZ 2011)

tim-und-struppi-das-geheimnis-der-einhornFür einen Reporter verbringt Tim auffällig wenig Zeit im Redaktionsbüro. Aber allein vor der Schreibmaschine hätte die vom belgischen Comic-Künstler Hergé erdachte Figur auch kaum die Fülle an Abenteuern erleben können, die Kinder gleich jeden Alters seit Jahrzehnten erfreuen. Mit Tim verhält es sich in etwa so wie mit Indiana Jones, jenem klassischen Kino-Haudegen, der den Posten als Hochschuldozent nur zu gern für gefahrvolle Expeditionen und den Kampf gegen das Böse (vorzugsweise Nazi-Deutschland) hinter sich ließ. Die beiden hauptsächlich in der Form verschiedenen Helden eint nun der mittlerweile gesetzt wirkende Leinwandmagier Steven Spielberg.

In vier Breitwand-Abenteuern ließ dieser jenen Indiana Jones zum Inbegriff von Wagemut avancieren und machte Schlapphut und Peitsche zu unvergesslichen Requisiten der Kinogeschichte. Dass er ausgerechnet mit seinem ersten Animationsfilm, realisiert im Performance Capture-Verfahren, zu den Blüten seiner bevorzugt auf (Cliffhanger-)Kintopp fußenden Karriere zurückkehrt, mag überraschen. Vor allem, weil der von ihm in Kooperation mit „Herr der Ringe“-Regisseur Peter Jackson produzierte „Die Abenteuer von Tim und Struppi – Das Geheimnis der Einhorn“ der Essenz der ersten drei Indiana Jones-Filme deutlich näher kommt als sein 2008 nachgeschobenes Sequel „Das Königreich des Kristallschädels“.

Zusammengestellt aus drei Bänden Hergés lassen die Blockbuster-Schwergewichte Spielberg und Jackson jenen Tim (im Original mit der Stimme von Jamie Bell) samt schlauem Hundegefährten Struppi dem Geheimnis um ein Schiffsmodell der „Einhorn“, einem vor Jahrhunderten von Piraten versenkten Frachtschiff, nachspüren. Seine Neugier wird geweckt, als der undurchsichtige Sakharine (Daniel Craig) ihn mit wachsender Vehemenz dazu bewegen will, ihm das Modell zu überlassen. Als vor seiner Schwelle ein Mann erschossen und auch noch seine Wohnung verwüstet wird, ahnt Tim die Bedeutung des Trödelfundstücks. Bevor er aber entscheidende Hinweise sammeln kann, wird er überwältigt und – vom wachsamen Struppi verfolgt – auf ein Frachtschiff verschleppt.

Mit dem versoffenen Kapitän Haddock (Andy Serkis), der von Sakharine seines Postens enthoben wurde und in dessen Familiengeschichte der Schlüssel zum Geheimnis der „Einhorn“ liegt, gelingt Tim und Struppi die Flucht. Es folgen waghalsige Gefahrsituationen zu Wasser, zu Lande und in der Luft, die Spielberg und Jackson mit digitaler Finesse, hohem Tempo und reichlich situativer Komik auf die Leinwand bringen. Dass Hergés auch mal dezent gewaltsame Vorlage nicht zugunsten ganz kleiner Zuschauer im Schongang präsentiert wird, spricht ebenso für den Eifer der Macher wie der Einsatz der schusseligen Ermittler Schultze und Schulze (Nick Frost und Simon Pegg). So ist Tim und Struppis erster Hollywood-Einsatz ungemein rasant und ideenreich, dabei optisch erhaben und spannend zugleich. Die bereits angekündigte Fortsetzung wird es da wahrlich nicht leicht haben.

Wertung: (8 / 10)

 

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