Der Schuh des Manitu (D 2001)

der-schuh-des-manituIm Weste(r)n viel Neues.

Es herrscht Krieg im Lande der Schoschonen! Häuptlingssohn Falscher Hase wurde erschossen. Die vermeintlichen Täter sind die Blutsbrüder Abahachi (Michael „Bully“ Herbig) und Ranger (Christian Tramitz), die neben dem Mord auch noch für den Raub des gesamten Stammesgoldes verantwortlich gemacht werden. Doch die beiden können dem Marterpfahl entkommen und begeben sich auf die Suche nach den verschwundenen Teilen einer Schatzkarte.

Weil in der Zwischenzeit kein Kriegsbeil aufzutreiben ist, graben die Pferdelosen Indianer kurzerhand einen Klappstuhl aus und marschieren auf dem Kriegspfad hinter den Flüchtigen her. Doch auch der wahre Mörder von Falscher Hase, Gangsterboss Santa Maria (Sky Du Mont) ist auf den Schatz scharf und nimmt mit seiner Bande tumber Pistoleros ebenfalls die Verfolgung auf. In der Zwischenzeit erhalten Abahachi und Ranger Hilfe vom griechischen Kneipenbesitzer Dimitri (Rick Kavanian), dem rassigen Halbblut Uschi (Marie Bäumer) und Abahachis tuckigem Zwillingsbruder Winnetouch (ebenfalls Herbig).

Die Karl-May-Verulke, die mit mehr als 11 Millionen Kinobesuchern den erfolgreichsten deutschen Film der Nachkriegszeit stellt, ist wahrlich nichts für Feingeister. Vielmehr bietet die simple Geschichte eine fortwährende Basis für allerlei groteskes Treiben und Witze auf jeder erdenklichen Niveaustufe. Aber auch das war mehr oder minder vorauszusehen. Der eigentliche Reiz des Filmes liegt in der detaillierten und aufwendigen Ausstattung und den gelungenen Outfits der Protagonisten. Technisch gibt es am „Schuh des Manitu“ wahrlich nichts auszusetzen, denn die Aufmachung ist vom Schnitt bis zum Ton hoch professionell und braucht hinter internationalen Produktionen kaum zurückzustehen.

Michael „Bully“ Herbig hat sich viel Zeit gelassen, in Spanien den idealen Drehort für seine Pferdeoper gefunden und eine illustre Schar von Agitatoren um sich versammelt. Wie schon in der (nicht immer komischen) „Bullyparade“ spielt Christian Tramitz an Herbigs Seite den Ranger. Als charismatischen Fiesling Santa Maria holte man sich Sky Du Mont ins Boot, der neben allerhand Fernsehfilmen auch in Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“ zu sehen war. Für die weiblichen Reize sorgt Marie Bäumer („Sieben Monde“), die nun auch schon seit geraumer Zeit zu Deutschlands erster Garde der Kinoaktricen gehört. Allein durch diese qualitativen Reize lässt sich allerdings noch lange nicht die immense Besucherzahl rechtfertigen.

Aber sicher gibt es noch andere Faktoren, die zum gigantischen Erfolg von Bullys zweitem Kinofilm nach seinem „krass“ behämmerten, aber ebenfalls kommerziell recht erfolgreichen Debüt „Erkan & Stefan“ beitragen. Unter anderem das obligatorische Rühren in der sprichwörtlichen Werbetrommel. Beim gemeinsamen Besuch bei „Wetten dass…“ bezichtigte Pierre Brice, der in grauer Vorzeit in Gestalt des originalen Winnetou mit Lex Barker und Karl Dall durch die zerklüfteten Weiten des ehemaligen Jugoslawien stelzte, den armen Michi Herbig der Respektlosigkeit gegenüber seinem „roten“ alter Ego. Mit entsprechender Wirkung. Der größte (deutsche) Film aller Zeiten ist Herbig sicher nicht gelungen, dafür aber eine alles in allem spaßige Parodie mit munteren Darstellern und Humor zwischen Brillanz und kalkulierter Peinlichkeit.

Wertung: (7 / 10)

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