Der Schrei der Eule (GB/CAN/F/D 2009)

der-schrei-der-eule-2009Ein undurchsichtiges Geflecht aus Liebe, Obsession und Missgunst stürzt vier Personen in den Abgrund. Die komplexe Vorlage lieferte Krimi-Autorin Patricia Highsmith, deren Roman „Der Schrei der Eule“ bereits 1987 von Altmeister Claude Chabrol verfilmt wurde. Die neuerliche Adaption, eine gleichnamige britisch-kanadisch-deutsch-französische Co-Produktion, besorgte Videoclip-Regisseur Jamie Thraves, der unter anderem für Blur und Radiohead inszenierte. Visuell hält sich der englische Filmkünstler vornehm bedeckt. Davon profitieren insbesondere die Hauptdarsteller.

Allen voran Paddy Considine („Backwoods“) spielt sich als psychisch angeschlagener Flugzeug-Konstrukteur Robert Forrester aus dem Schatten diverser Nebenrollen hervor. Inmitten der Scheidung zieht es ihn von New York in die kleinstädtische Abgeschiedenheit, wo er hofft in die Normalität eines geregelten Alltags zurückkehren zu können. Die Einsamkeit aber nagt an ihm und so nimmt er, verborgen in der Dunkelheit, Anteil am Leben der scheinbar lebensfrohen Jenny (Julia Stiles, „Mona Lisas Lächeln“). Als sie den heimlichen Beobachter eines Abends stellt, nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Die überraschte Frau alarmiert nicht etwa die Polizei, sie bittet den Fremden hinein. Fortan ist es Robert, der sich in seiner Privatsphäre gestört fühlt. Denn die selbst labile Jenny stellt ihm nach, lässt, um mit ihm zusammen sein zu können, sogar Freund Greg (James Guilbert, „The Tudors“) sitzen. Der reagiert entsprechend und lauert dem Nebenbuhler auf nächtlicher Straße auf. Es kommt zum Kampf, bei dem Robert den angeschlagenen Widersacher am Ufer eines nahen Flusses zurücklässt. Plötzlich beginnt sich die Polizei für ihn zu interessieren. Greg ist spurlos verschwunden und für die Ermittler ist Robert der Hauptverdächtige. Das geht auch an Jenny nicht spurlos vorüber.

Was als Liebesgeschichte gebrochener Charaktere beginnt und sich zunehmend zum Thriller ausweitet, kippt schlussendlich ins Melodram. Der Spagat zwischen den Genres funktioniert durch die überzeugenden Schauspieler, die ausreichend Raum erhalten, die Schattenseiten der gebeutelten Figuren auszuloten. Die Auflösung des Krimi-Teils, in den auch Roberts Ex-Frau Nickie (Caroline Dharvernas, „Die Hollywood-Verschwörung“) verstrickt scheint, vollzieht sich so unspektakulär wie unvermittelt. Zwar wirkt das Schlussdrittel in der dramaturgischen Zuspitzung übertrieben und zudem konstruiert, als vielschichtiges Psychogramm versteht es „Der Schrei der Eule“ aber dennoch konstant zu fesseln.

Wertung: (7 / 10)

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