Macbeth (GB/F/USA 2015)

Die Stücke William Shakespeares sind zeitloses Kulturgut. Der Filmindustrie dienten sie häufig als Vorlagen, wobei die Verwendung der originalen Blankverse aus kommerzieller Sicht – als Gegenbeispiel darf gern Baz Luhrmans „Romeo + Julia“ bemüht werden – heikel erscheint. Allerdings bilden die meisten von Shakespeares Werken zugegeben auch nur bedingt jenen Grundstoff, aus dem Hollywood-Träume gefertigt sind. Eindrucksvoll unterstrichen wird diese These von Justin Kurzel, dessen visuell bestechende Adaption der Mittelalter-Tragödie „Macbeth“ einzig Arthouse-Jünger und Pädagogen von Englisch-Leistungskursen begeistern dürfte.

Der titelspendende Macbeth wird von Michael Fassbender („Shame“) mit trefflicher Intensität verkörpert. Seine psychische – und zunehmend auch physische – Pein wird für den Betrachter regelrecht erfahrbar gemacht. Eine weitere herausragende Leistung des immer hochkarätigen Allrounders. An seiner Seite agiert Marion Cotillard („Inception“) mit identischer Hingabe. An ihrer Person lässt sich auch die Klasse des Dialekt-Coaches festmachen, ist von Cotillards französischem Akzent im englischen Original doch verblüffenderweise nichts zu hören. Regisseur Kurzel, der mit Fassbender anschließend „Assassins Creed“ drehte, verleiht der klassischen Geschichte von Aufstieg und Fall durch bildgewaltige Panoramen und wuchtige Kriegsszenarien in Zeitlupe bemerkenswert Ausdruck.

Auf dem Schlachtfeld eröffnen drei Hexen Macbeth eine rosige Zukunft. Kamerad Banquo (Paddy Considine, „Pride“) prophezeit das mysteriöse Trio daneben, Vater kommender Könige zu werden. Von der Gemahlin angestachelt, erwacht im eigentlich treuen Macbeth bald der Drang, den schottischen Regenten (David Thewlis, „Legend“) zu ermorden und sich an seiner Statt zum Herrscher krönen zu lassen. Mit der Macht steigt aber auch die Furcht. Plötzlich wittert das Königspaar überall Verrat und um die Banquo entgegengebrachte Weissagung zu unterbinden, trachtet Macbeth selbst dem Freund nach dem Leben. Der von Fürst Macduff (Sean Harris, „Die Borgias“) angeführte Widerstand droht der willkürlichen Schreckensherrschaft jedoch ein vorzeitiges Ende zu bereiten.

Das Mittelalter – der echte Macbeth regierte Schottland im 11. Jahrhundert – erhält unter dem in Cannes für die Goldene Palme nominierten Kurzel einen kompromisslos dreckigen Anstrich. Die nebelverhangenen britischen Landschaften wirken unwirtlich und mysteriös, die sparsam eingebrachten Action-Anteile geboten desillusioniert und blutig. Über weitere Prophezeiungen, die den zunehmend wahnsinnigen Macbeth siegessicher stimmen, wird sein Schicksal in aller Konsequenz besiegelt. Daraus entsteht großes Kino für ein anspruchsvolles Publikum. Vor den Originalversen darf man allerdings nicht zurückscheuen, denn die alte Sprache verlangt konstante Aufmerksamkeit und wirkt der Dynamik traditioneller kommerzieller Unterhaltungsstoffe doch konsequent entgegen. Ein zwar sperriges, darüber aber nicht weniger beeindruckendes Werk.

Wertung: (7,5 / 10)

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