Urban Explorer (D 2011)

urban-explorerBerlin ist ein Touristenmekka. Aus aller Welt kommen Menschen an die Spree, um sich ins nimmermüde Nachtleben oder klassisches Sightseeing zu stürzen. Doch nicht nur oberhalb der Grasnarbe hat die ehemals geteilte „Arm aber sexy“-Metropole einiges zu bieten. Deutschlands Kapitale ist durchzogen von verzweigten Tunneln, die sich zu rund 60 Kilometern Gesamtlänge aufsummieren. Einige ausgesuchte sind als Touristenattraktionen in jedem Reiseführer zu finden. Abenteuerlustige werden aber vor allem von den übrigen, den wenig erschlossenen, in Teilen gar versiegelten Systemen angezogen.

So zeigt es zumindest „Urban Explorer“, der den Backwod-Horror in die Großstadt holt. Oder besser darunter. Das Setting ist neu, der Rest hingegen altbekannt. Die Figuren, eine Gruppe junger Urlauber nebst einheimischem Begleiter, sind klischeehaft und aufgesetzt. Vorgestellt und zusammengeführt werden sie mit wackliger Handkamera. Die Koreanerin Juna (Brenda Koo) und die Französin Marie (Catherine de Léan) treffen sich des Nachts mit dem amerikanischen Paar Denis (Nick Eversman) und Lucia (Nathalie Kelley). Von Kris (Max Riemelt, „Die Welle“) werden sie durch einen Club in die Tiefe geführt. Ziel ist ein verschlossener Nazibunker.

Das stolpern durch verlottertes Halbdunkel ist durch nichtige Dialoge und das Auftauchen zweier Bilderbuch-Nazis mit Kampfhund geprägt. Nur spannend ist das Ganze nicht. So bleibt lediglich die Frage offen, welch tödlicher Gefahr die Gruppe wohl in der Dunkelheit begegnen wird. Die Faschos jedenfalls sind es nicht. Nachdem das Ziel erreicht und Kris auf dem Rückweg in einen Schacht gestürzt ist, eilen Juna und Marie Richtung Ausgang, um Hilfe zu holen. Denis und Lucia stehen Kris bei und werden bald von Tunnelbewohner Armin (Klaus Stiglmeier, „Bang Boom Bang“) entdeckt. Der ehemalige DDR-Grenzer bringt die drei in sein abseitiges Bunker-Heim – und lässt die hilfsbereite Maske rasch fallen.

Stiglmeier macht als sadistischer Untergrund-Schrat eine gute Figur und auch die im Schlussdrittel eingestreuten Splatter-Auswüchse sorgen für ruppige Stimmung. Das allein ist aber nicht genug. Zwischen den Stühlen von „Creep“, „The Descent“ und „Cold Prey“ verlässt sich Regisseur, Kamermann und Cutter Andy Fetscher („Bukarest Fleisch“) zu sehr auf internationale Vorbilder. Die bemüht ausweglose Schattenseite des hauptstädtischen Erlebnispotenzials bleibt ihre Wirkung weitgehend schuldig. So scheitert der Versuch des deutschen Genrefilms letztlich einmal mehr an der viel zu offensichtlichen Blaupause bedeutenderer und vor allem bedeutend besserer Werke.

Wertung: (4 / 10)

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