Deep Impact (USA 1998)

deep-impactDer Katastrophenfilm als menschliches Drama. Mit einem schwarzen US-Präsidenten und keiner Aussicht auf Rettung. Ob da ein Zusammenhang besteht? Hoffentlich nicht. Neben dem Popcorn-Actioner „Armageddon“ schickte sich im Kinosommer 1998 ein weiterer Meteorit an, der Erde Tod und Zerstörung zu bringen. Mimi Leders („Project Peacemaker“) bierernste Chronik „Deep Impact” versucht der Frage nachzugehen, wie sich Menschen im Angesicht der drohenden Apokalypse verhalten. Mit beeindruckendem Starensemble und weit mehr in Pathos geschwenkten Klischees, als es Film und Urhebern lieb sein konnte.

Alles beginnt mit Leo Biederman, der jungen Ausgabe von ´Herrn Frodo´ Elijah Wood („Der Herr der Ringe“), der während eines Schulprojektes einen vermeintlich neuen Stern entdeckt. Ein Astronom geht dem Rätsel nach und stößt auf einen Kometen von den Ausmaßen New Yorks, der geradewegs auf die Erde zusteuert. Seine Warnung jedoch verhallt ungehört, als er bei einem Autounfall ums Leben kommt. Ein Jahr später stößt Fernsehreporterin Jenny Lerner (Téa Leoni, „Jurassic Park III“) auf einen Vertuschungsskandal im Weißen Haus. Doch wollte Präsident Beck (Morgan Freeman, „Erbarmungslos“) keine Affäre geheim halten, sondern lediglich die Ankunft des Himmelskörpers.

Wieso den in der Zwischenzeit niemand sonst geortet hat, bleibt das Geheimnis der Autoren Bruce Joel Rubin („Ghost“) und Michael Tolkin („The Player“). Die kümmern sich auch sonst eher um austauschbare Familienprobleme, als der drohenden Gefahr einen glaubhaften Hintergrund zu verschaffen. Immerhin aber waren Russen und Amerikaner nicht faul und haben eine bemannte Mission auf den Weg gebracht, die den Asteroiden mit Nuklearwaffen zerstören soll. Bereits dabei werden Problemhorizonte durchexerziert, die allein für drei Filme Stoff geboten hätten. Mit an Bord ist Weltraumveteran Tanner (Robert Duvall, „Der Apostel“), der sich von seinen jüngeren Kollegen (u.a. „Iron Man“-Regisseur Jon Favreau) ausgeschlossen fühlt, sie zum Dank am Ende aber in den erlösenden Freitod führt.

Der erste Versuch der Erdenrettung schlägt fehl und am Boden bricht weltumspannend das Chaos aus. Diese wohl spannendsten Facetten handelt Leder über kurze Fernsehschnipsel ab. Denn der Löwenteil gebührt den persönlichen Melodramen. Wie dem von Journalistin Jenny, deren Mutter (Vanessa Redgrave, „Wiedersehen in Howards End“) im Angesicht der Apokalypse den Selbstmord wählt, während der Vater (Maximilian Schell, „Julia“) bereits im Vorfeld noch einmal den Bund fürs Leben schließt – mit einer wesentlich jüngeren Frau. So reiht sich Problem an Problem, bis die Macher dann doch endlich ein Einsehen haben und in gut getrickster Destruktion den Effektspezialisten das Ruder übergeben.

Die erlesene Darstellerriege ersäuft im Kitsch, noch bevor am Ende die große Flutwelle anrollt. Aufopferungen folgen Versöhnungen, tränenreichen Abschieden der klebrige Sud der Menschlichkeit á la Hollywood. Mit kaugummiartiger Konsistenz und elend emotionaler Redundanz ruckelt die Plotte dem halb versöhnlichen, halb tragischen Ausklang entgegen. Fürs Auge zu wenig Zerstörung, fürs Herz zu viel Schmalz, scheitert „Deep Impact“ zwangsläufig an der Übervorteilung seiner aufgesetzten Gefühlsverschalung. Und die bietet unter der rasant steigenden Wassermarke nicht mehr als Popcorn-Ramsch von der Stange.

Wertung: (4 / 10)

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