Armageddon – Das jüngste Gericht (USA 1998)

armageddonFilme von Michael Bay sind bei Gott nichts für Cineasten. Der ehemalige Werbefilmer hält es lieber einfach. Zumindest (oder vor allem) inhaltlich. Wie man es sehen möchte. Bay macht Filme fürs Auge, nicht fürs Hirn, das bewies er erstmals in richtig großem Maße mit dem Weltraumzerstörer „Armageddon“. Aufgebaut nach Schema F und mit beiden Beinen im größten Klischeesud stehend, den Hollywood überhaupt zur Verfügung stellen kann, lässt es Bay an allen Ecken und Enden krachen.

Kleinere Asterioden schlagen aus heiterem Himmel in mehrere Metropolen der Erde ein und die Schäden an Mensch und Material sind enorm. Durch Zufall wird ein riesiger Asteriod entdeckt, der auf die Erde zurast und dessen Vorboten diesen gerade ankündigten. NASA-Chef Truman (Billy Bob Thornton) muss sich schnellstmöglich um eine Lösung bemühen, würde ein atomarer Beschuss doch lediglich die Oberfläche zerkratzen. Kurzerhand wird das Bohrteam von Harry Stamper (Bruce Willis) zwangsrekrutiert (u.a. Steve Buscemi, Owen Wilson). Dazu gehört auch der junge A.J. (Ben Affleck), der mit Stampers Tochter Grace (Liv Tyler) zusammen ist, was diesem wiederum überhaupt nicht behagt. Doch die Erde muss gerettet werden, persönliche Differenzen müssen warten. Nach hartem Training wird Stamper mit seinen Leuten ins All geschossen, um den Supergau abzuwenden.

Wenn man meint, schon alles gesehen zu haben, belehrt einen Michael Bays und Jerry Bruckheimers („Con Air”) intergalaktische Zerstörungsorgie eines besseren. Nichts ist unmöglich, Grenzen sind den Akteuren nie gesetzt. Alle Plotlöcher und Wahsninnstaten dieses zweieinhalbstündigen Zerstörungsmarathons aufzuzählen, würde ins uferlose münden. Fakt ist, mit Raumfahrzeugen kann man bedenkenlos kilometerweit durchs All über einen zehntausende Kilometer schnellen Asteroiden gleiten, einer explodierenden Raumstation stets entkommen, grobe Gewalt hilft bei eingefrorenen Bordinstrumenten immer noch am besten und jeder Erdenbürger sollte im Idealfall wenigstens eine US-Flagge zur Hand haben. Denn ungefähr so viele sind in „Armageddon“ zu sehen.

Unsinn wird groß geschrieben, doch dafür gaben sich viele namhafte Darsteller her, die hier einfach mal Spaß haben wollen. Um nichts anderes scheint es zu gehen, denn so verhält sich auch die hoffnungslos überchargierte Bohrcrew von Bruce Willis. Bay will mit aller Macht sein Publikum unterhalten, dafür hat er ja auch viel Zeit. Es geht zu Bruch, was zu Bruch gehen kann. Städte, Menschen, Material. Irgendwann jedoch erlahmt die Destruktionsgier des Zuschauers in immer neuen Infernos. Auf der anderen Seite, natürlich machen die Sprüche Spaß, alle Darsteller lassen ihren eigentlichen Beruf links liegen und ordnen sich stets der nächsten Explosion oder des nächsten völlig hirnverbrannten Kalauers unter. Unterhaltung par Excellence, wenn man sich oder den eigenen Intellekt komplett fernhalten kann. Denn der Film ist so dermaßen dumm, dass man das Kind einfach beim Namen nennen muss.

Natürlich setzt auch „Armageddon“ auf Hurra-Patriotismus, einen Hehl daraus macht der Film nicht. Russen sind Wilde (gewohnt schräg: Peter Stormare) und die USA retten die Welt im Alleingang, der Rest darf gern vorm TV seine neue Helden bewundern. Als Höhepunkt gibt es dann noch eine erstklassige Live-Schaltung kurz vor der Zerstörung des Ungetüms, in dem Papa Willis seiner Tochter Liv noch ein paar Liebeleien ins Ohr säuselt. Warum plötzlich eine superbe Verbindung möglich war, bleibt ein Rätsel von vielen. Die Lösung scheint sich in Willis Helm zu verbergen. Stören darf man sich an solchen Kleinigkeiten jedoch nicht, denn wenn man es tut, ist dies definitiv der falsche Film.

Wertung: (6 / 10)

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