Cut and Run (I 1985)

cutandrun„Your journey ends here. Forever!“ – Über das Medieninteresse wenig erfreut: Colonel Hort

Südamerikanische Flusslandschaften sind mit Vorsicht zu genießen, tümmelt sich darin doch allerlei tödliches Getier. Und der stets furchterregende Glatzkopf Michael Berryman, der von Cravens „The Hills have Eyes“ bis zu Zombies „The Devil’s Rejects“ vortrefflich den degenerierten Psychopathen gab. Auf die für ihn typischen irren Blicke und brutalen Gesten ließ sich der Schauspieler mit dem markanten Eierkopf auch in Ruggero Deodatos „Cut and Run“ reduzieren, einem Mitte der Achtziger nachgereichten Reißer in bester Euro-Sleaze-Tradition.

Die zelebriert der berüchtigte Exploiter gleich zu Beginn, wenn Berrymans Dschungel-Sicko Quecho mit einer Horde Giftpfeile verschießender Indios eine Lagerstätte für Drogen aufmischt. Körper werden aufgeschlitzt, Frauen gnadenlos geschändet und die Krokodile im Fluss kommen auch auf ihre Kosten. Ziel des Überfalls ist die Ausschaltung der Konkurrenz, eine Art feindliche Übernahme, sind Quecho und sein Boss, der ehemalige US-Offizier Hort (der honore B-Bösewicht Richard Lynch spielte mit Berryman auch in Deodatos Fantasy-Murks „Die Barbaren“) doch selbst dick im Drogengeschäft verbandelt.

Deren Koks-Küche im kolumbianischen Regenwald spüren von Florida aus die abgebrühte TV-Reporterin Francis (Lisa Blount, „Fürsten der Dunkelheit“) und ihr Kameramann Mark (Leonard Mann, „Killermeute“) nach. Schließlich gilt Unmensch Hort seit Jahren als verstorben. Die Senderchefs, das Ehepaar Bob (Richard Bright, „Der Pate“) und Karin (Karen Black, „Die Wiege des Schreckens“), sind zudem an der Aufspürung ihres Sohnes Tommy (Willie Aames, „Eight is Enough“) interessiert, der, ganz amerikanisch mit Micky Maus-Shirt, von einem Konkurrenten Horts in einem Camp gefangen gehalten wird. Während die Indios sich einmal mehr daran machen, der Konkurrenz zu Leibe zu rücken, wagt Tommy mit der dauer-geschändeten Ana (Valentina Forte, „Body Count“) die Flucht.

Das bewährte Dschungelambiente, effektvolle Grausamkeiten und die Musik Claudio Simonettis („Suspiria“) sorgen für einen brauchbaren atmosphärischen Unterbau. Aber Deodato, der mit „Cannibal Holocaust“ 1974 einen verstörenden Klassiker des Found-Footage-/Kannibalenfilms abgeliefert hatte, begnügt sich bei seinem sinnfreien Nachzügler mit einer Verkettung brutaler Szenarios, reißt Nebenakteur John Steiner („Tenebre“) mit einer Seilfalle genüsslich in Stücke (bei Fulcis „Demonia“ sah das fünf Jahre später weit billiger aus) und lässt die Reporter auf der suche nach dem versprengten Tommy um ihr Leben fürchten.

Die Figuren bleiben im Sinne gepflegter Gewaltschocks Beiwerk gelungener Bluteffekte. Zimperlich geht Deodato nicht zu Werke und zeigt Vergewaltigung und Enthauptung bevorzugt in Großaufnahme. Hinter der semi-ereignisreichen Plotte mit ihrer Abenteuer-Groschenheft-Tonalität klafft aber ein Loch aus Logikfreiheit und B-Film-Naivität. Dafür machen die Schauspieler ihre Sache ordentlich und vor allem Lynch hat ein paar wonnige Colonel Kurtz-Momente in petto. Kollege Berryman hingegen taucht zur Filmmitte ab, um zum schmalzigen Finale den Springteufel zu geben und mit Rasierschaum aus dem Feuerlöscher besprüht zu werden. Die große Zeit der Italo-Exploiter war offenkundig längst passé.

Wertung: (4 / 10)

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