Aquarius – Stage Fright (I 1987)

stagefrightDie junge Alicia (Barbara Cupisti) und ihre Tänzerkollegen proben zu später Stunde in einem großen Schauspielhaus ihr verstricktes Stück um den wahnsinnigen Prostituiertenmörder mit Eulenmaske (trotz dieser Prämisse laut dem Drehbuch tatsächlich eine anspruchsvolle Aufführung). Vom vielen Hüpfen verletzt die zarte Alicia ihren Knöchel, was sie daraufhin zwingt mit der Ankleiderin Betty (Ulrike Schwerk) ins nächstgelegene Krankenhaus zu düsen, wobei diese Aktion aber unbedingt geheim bleiben muss. Vor allem vor dem exzentrischen Regisseur Peter (David Brandon), der explizit jedem seiner Untertanen bereits beim bloßen Denken an ein vorzeitiges Verlassen des Theaters mit fristloser Kündigung droht.

Nach einer schmerzlindernden Injektion machen sich die zwei Frauen schleunigst auf den Weg zur Bühne zurück. Allerdings ohne den leisesten Verdachten zu schöpfen, dass sich in der Zwischenzeit – in der 1980ern war eben alles möglich – eben mal ein psychopathischer Massenmörder in ihrem Kofferraum versteckt haben könnte! Wie etwa Irwin Wallace (Clain Parker), der, welch sonderbare Koinzidenz, auch noch von der schauspielernden Zunft ist. Während Alicias Behandlung gelang es Wallace sich seiner Fessel zu entledigen und unbemerkt aus der Psychiatrie hinaus zu spazieren, wobei sich der genrekundige Zuschauer ein Schmunzeln sicher nicht verkneifen kann.

Wieder im Theater angekommen, laufen die beiden Dissidentinnen direkt Peter in die Arme, der seinen Zorn nicht mehr zurückzuhalten vermag und Alicia auf der Stelle entlässt. Allerdings darf sie dann doch wieder ihren alten Platz einnehmen, als man Betty mit gespaltenem Schädel auffindet. Denn der kapriziöse Peter, nur den Erfolg im Hinterkopf, will den Mord gar in das Stück integrieren. Eine bessere Publicity dürfte es gar nicht geben, so der Schuft. Vielleicht hätte der pietätlose Spielleiter aber nicht unbedingt in jener Nacht weitere Proben anberaumt und darüber hinaus noch den Schlüssel für die Eingänge versteckt und die Security nach Hause geschickt. Am Schluss wird auf der Bühne nämlich ein ganz anderes blutiges Stück gespielt. Regie und Hauptdarsteller: Irwin Wallace.

Obwohl Dario Argento- und Joe D´Amato-Schüler Michele Soavi vor seinem Wechsel ins TV-Fach nur vier abendfüllende Genrebeitrage fabrizierte, hat es ihn nicht daran gehindert in den Olymp des italienischen Horrorkinos aufgenommen zu werden. Besonders seine dritte Arbeit „Dellamorte Dellamore“ genießt zu Recht Kultstatus beim Liebhaber des phantastischen Films. Doch auch schon sein erster Spielfilm – zwei Jahre zuvor, genauer 1985, drehte er die Argento-Dokumentaion „World of Horror“ –, der im Original „Deliria“ heißt, offenbart ein immenses Talent für stimmungsvolle Bilder. Das zugegeben schwache und von Logiklöchern befallene Drehbuch stört im Sog der berauschenden Bilder nicht weiter. Für das dünne Skript kann der Regisseur aber auch gar nicht zur Rechenschaft gezogen werden.

Denn dies hat ein gewisser Lew Copper alias Luigi Montefiori verfasst, der unter seinem Pseudonym George „Der Menschenfresser“ Eastman zu berüchtigter Berühmtheit gelangte. Wer genau hinsieht, entdeckt übrigens in der Theatergarderobe ein Poster des griechischen Anthropophagen Nikos. Soavis starke Bildsprache macht Eastmans schlecht durchdachte Konzeption aber wieder wett. Weiterhin kann mit Giovanni Lombardo Radice („Ein Zombie hing am Glockenseil“) an Bord noch weniger schief gehen, ist der blonde Darsteller doch immer ein gern gesehener Gast im italienischen Horrorfilm. Es ist schade, dass Soavi in seiner Filmographie neben „Aquarius“ und erwähntem „Dellamorte Dellamore“ (sowie diversen TV-Filmen) nur noch „The Church“ und „The Sect“ vorzuweisen hat. Da hätten wir gern mehr gesehen.

Wertung: (6,5 / 10)

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