Clever & Smart (E 2003)

clever-und-smartFast jedes Kind kennt sie, die absurden Abenteuer der tollpatschigen iberischen Geheimagenten ‚Mortadelo y Filemón’, zu Deutsch ‚Clever & Smart’. Die populären Comics des spanischen Zeichners Francisco Ibánez verkauften sich weltweit rund 50 Millionen Mal. 1971 erschien unter dem Titel „Clever & Smart in geheimer Mission“ ein Zeichentrickfilm, der Anfang der 90er von einer ebenfalls animierten Serie beerbt wurde. Doch erst die sich rasant entwickelnde Computertechnologie erlaubte 2003 das Wagnis einer Realverfilmung der selbstgefälligen Anti-Helden.

Der geniale Wissenschaftler Dr. Bakterius (Janfri Topera, „Grimm“) hat eine Maschine erfunden, die Menschen demoralisiert. Als Bakterius seine neueste Errungenschaft T.I.A.-Boss Mister L. (Mariano Venancio, „Tánger“) vorführen will, nimmt das Unheil seinen Lauf. Die Erfindung demoralisiert das Wachpersonal des Geheimdienstes und ermöglicht einem Dieb den infamen Raub des Apparates.

Die Agenten Clever (Benito Pocino, „Platillos volantes”) und Smart (Pepe Viyuela, „Tierra“), die eigentlich den Fluchttunnel des Gauners bewachen sollten, schlafen unterdessen lieber, als ihren Pflichten nachzukommen. Als dann auch noch eine Maschine entwendet wird, die das Wetter manipulieren kann, ist das Maß voll. Superagent Fredy (Dominique Pinon, „Die fabelhafte Welt der Amelie“) wird die Wiederbeschaffung der entwendeten Gerätschaften anvertraut. Diese Schmach wollen Clever & Smart nicht auf sich sitzen lassen und begeben sich ihrerseits auf die Suche nach dem Dieb. Dieser will die Beute in der Zwischenzeit an den wahnsinnigen Diktatoren des Zwergstaates Tirania verkaufen.

Mit viel Aufwand erweckt Regisseur Javier Fesser („The Miracle of P. Tinto“) den anarchistischen Kosmos der Vorlage zu „realem“ Leben. Mit Liebe zum Detail werden bekannte Elemente der Comics übernommen und in den dürren Handlungsrahmen integriert. Die zahlreichen Verkleidungen des Fred Clever dürfen dabei ebenso wenig fehlen wie die übergewichtige Sekretärin Ophelia (Berta Ojea, „The Devil’s Backbone“), der halbblinde Passant oder der hünenhafte Schläger an der Straßenecke. Die beliebten Figuren sind mit bedacht besetzt und nahezu perfekt getroffen. Die größte Furcht bereitete den Fans im Vorfeld wohl die Umsetzung der zum Teil harschen Gewaltentgleisungen des gezeichneten Originals. Doch auch hier präsentiert sich „Clever & Smart“ als würdige Adaption, werden die Protagonisten doch in einem makabren Dauerfeuer nach allen Regeln der computergenerierten Kunst malträtiert.

Das größte Manko des Films bildet wider erwarten nicht der dürftige Handlungsfaden. Schließlich diente dieser in Ibánez Comics auch nur als loser Aufhänger für die irrwitzige Misshandlung der grob schablonierten Charaktere. Vielmehr schießt der klamottige Humor oftmals über das anvisierte Ziel hinaus. Nicht wenige Gags verwelken in infantiler Schadenfreude. Darüber hinaus könnte älteren Kinogängern der allgegenwärtige Klamauk des Streifens hinderlich erscheinen, während die aufgezeigte Comicgewalt trotz offenkundiger Überstilisierung für kleine Zuschauer zu hart ausfallen könnte.

Trotz kleinerer Durststrecken ist „Clever & Smart“ ein Freudenfest für die Anhängerschaft der subversiven Bildfolgen. Bedauerlich nur, dass für die deutsche Synchronisation der maschinengewehrartigen Wortgefechte des Originals Stefan Lust und Erkan Maria Moosleitner – besser bekannt als Erkan und Stefan – verpflichtet wurden. Aber seit humoristische Eintagsfliegen wie Richy Adam Sandler ihre Stimme leihen dürfen und Mola Adebisi Ali G. auf unterstes Niveau zerrt, dürfte den geneigten Zuschauer eigentlich nichts mehr erschüttern.

Wertung: (6 / 10)

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