Cheap Thrills (USA 2013)

Manchmal ist das Leben eine nicht enden wollende Serie von Tiefschlägen. Einer, der sich damit auskennt, ist Craig Daniels (Pat Healy, „Take Me“). Der erfolglose Autor, Vater eines Kleinkindes, verdingt sich als Automechaniker, um die Familie über Wasser zu halten. Als er eines Morgens einen Räumungsbescheid wegen ausstehender Mietzahlungen an der Tür entdeckt und kurz darauf auch noch den Job verliert, ist guter Rat teuer.

In einer Bar, während der verzweifelten Frustbewältigung am Glas, trifft er zufällig auf seinen alten Kumpel Vince (Ethan Embry, „Sneaky Pete“). Gemeinsam machen sie die Bekanntschaft des gönnerhaften Colin (David Koechner, „Anchorman“) und seiner deutlich jüngeren Gespielin Violet (Sara Paxton, „Last House on the Left“). Was folgt, ist eine Nacht der Extreme, in der beständige Demütigung und die Überschreitung moralischer Grenzen nicht allein für Craig den Ausweg aus der finanziellen Misere verheißen.

Die Regeln sind einfach: Der unscheinbare, mit üppiger Barschaft ausgestattete Colin nennt eine Aufgabe und koppelt deren Erfüllung an ein gewisses Entgelt. Das Prinzip wurde bereits bei den „Simpsons“ erprobt. In der Folge „Homer und das Geschenk der Würde“ (2000) fungierte der in Geldnot geratene Homer als das private „Spaß-Äffchen“ von Kraftwerkseigner Mr. Burns. Nur widersetzte er sich schlussendlich der zunehmenden Radikalität des perfiden Unterhaltungsansatzes. Zur Beruhigung des Gewissens muss die Vernunft zwangsläufig über die Gier triumphieren. Oder etwa nicht?

Im Regiedebüt von „Small Crimes“-Autor E.L. Katz‘ wird dies intellektuelle Korrektiv überwunden. Der zwischen Normalo Craig und Draufgänger Vince angezettelte Wettstreit gipfelt, entfacht durch  beständig steigende „Honorare“, im Äußersten. Zunächst sind es Lappalien, kleine Späße in der Kneipe. Doch als sich das Geschehen ins Haus von Colin und Violet verlagert, wird aus den harmlosen Aufgaben schrittweise (blutiger) Ernst. Was das bedeutet, soll an dieser Stelle nicht en détail verraten werden. Nur so viel: Die eilige Darmentleerung im Haus eines Nachbarn zählt noch zu den weniger aufreibenden Bewährungsproben.

Der Plot entwickelt sich so simpel wie bitterböse. Das anfängliche Lachen bleibt dem einmal mehr als Voyeur entlarvten Betrachter mehr und mehr im Halse stecken. Formal gibt sich der fiese Indie-Thriller unaufgeregt, ja fast ohne eigene Handschrift. Geradezu emotionslos wird der Konkurrenzkampf der beiden Party-Söldner seiner endgültigen Eskalation zugeführt. Die eigentliche Cleverness offenbart der Film dabei in der übergeordneten, lächerlich minimal bepreisten Wette zwischen Vince und Violet über den Ausgang des Erniedrigungsmarathons. Der Mensch wird damit zum Objekt pervertierter Belustigung degradiert. Vom aktuellen gesellschaftlichen Klima scheint diese subtile Verrohung nur um Haaresbreite entfernt.

Wertung: (7 / 10)

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