Blast of Silence – Explosion des Schweigens (USA 1961)

blast-of-silence„A Killer who doesn’t kill gets killed.”

Der etwas andere Weihnachtsfilm. Ein schroffes Juwel. Fast vergessen, unerwartet wiederentdeckt. Im Mittelpunkt ein Mann, Frank Bono, Mietmörder. Eine Stimme aus dem Off ist sein Begleiter. Sie ist ein Beobachter, das allwissende Auge über den Taten des Auftragskillers. Der Kommentator scheint direkt aus dem Kopf des Hitman zu sprechen. Er ist Spiegel seiner Gedanken, Reflexion seiner Gefühle. Im Hintergrund der von Meyer Kupferman („Trilogy“) arrangierte Score. Ein beschwingter Cocktail aus Jazz und Swing. Die anfängliche Unbeschwertheit der Klänge weicht bald unheilvolleren Kompositionen.

Mit dem Zug aus Cleveland erreicht Frank Manhattan. Er hat einen Auftrag zu erfüllen. Im vorweihnachtlichen New York macht er sich mit den Gepflogenheiten des Opfers vertraut, sucht Angriffspunkte in alltäglichen Handlungsmustern. Plötzlich Gesichter aus der Vergangenheit. Ein Schicksalsgenosse aus Waisenhaustagen. Es folgt die Einladung zu einer Party. Frank beginnt sich zu amüsieren, streift das bleierne Korsett der Einsamkeit für einen flüchtigen Augenblick ab. Doch die interpersonale Unzulänglichkeit lässt den Kontakt zu Jugendliebe Lorrie (Molly McCarthy, „Flamingo Kid“) scheitern.

„Blast of Silence“ ist ein verkanntes Meisterwerk. Elemente des klassischen Gangsterkinos verschmelzen mit der pessimistischen Düsternis des Film Noir. Dazwischen findet Regisseur und Hauptdarsteller Allen Baron sein eigenes, nachtschwarzes Stimmungsbild. Die unterkühlte Atmosphäre wird getragen von der kargen Farblosigkeit der Fotografie. Ohne sympathische Fixpunkte führt Antiheld Frank Bono durch die simple Geschichte. Das höchste der entgegenbrachten Gefühle ist Mitleid. Für ein verpfuschtes Leben, für eine freudlose Existenz. Das Scheitern zeichnet sich früh ab. Zu viele Abweichungen von der Routine prägen die Vorbereitungsphase der Mordmission.

Kurzzeitige Skrupel lassen die sonst so präzise Killermaschine zögern. Der Wunsch nach Geborgenheit veranlasst Frank, den Kontrakt zu lösen. Die Auftraggeber spielen nicht mit. Er landet selbst auf der Abschussliste. Mehr als vierzig Jahre nach seiner Herstellung hat das nihilistische Thriller-Drama nichts von seiner Faszination eingebüßt. Das liegt nicht nur am Regisseur Allen Baron, sondern auch an ihm als Darsteller. Er nimmt Robert De Niro quasi vorweg. Bedauerlicherweise blieb „Blast of Silence“ sein einziger Film von Belang. Am emotionslosen Schlusspunkt kehrt der Killer zurück ins Nichts, die vertraute Heimat der Dunkelheit. Der Tod als Erlösung. Die emotionale Wucht ist bis heute beispielhaft.

Die DVD-Veröffentlichung von Alamode Film bietet einen aktuellen, nicht untertitelten Audiokommentar Allen Barons. In diesem umschreibt er detailliert, obgleich von diversen Pausen und nervösem Räuspern begleitet, die Dreharbeiten seines Low Budget-Thrillers. Er erklärt seine mehr zufällige Übernahme der Hauptrolle, merkt lachend den hohen Zigarettenkonsum an und stellt wiederholt Improvisationstalent unter Beweis, wenn er seine kostensparenden Maßnahmen des Filmemachens erläutert. Jedes Mal schließt er mit dem Satz: „It worked out well“. Wie recht er doch hat.

Wertung: (9 / 10)

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